Schülerin forschte über Nachbarn in der Hafenstraße

Antonia Gerlach vor der Kneipe Onkel Otto an der Hafenstraße auf St. Pauli: Die Schülerin aus Eimsbüttel forschte ein halbes Jahr zur Nachbarschaft zwischen Hausbesetzern und einer Schule während der Barrikadenzeit im November 1987. Mit ihrer beeindruckenden Arbeit hat sie den Ersten Preis beim Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten gewonnen. (Foto: Körber-Stiftung/David Ausserhofer)

Antonia Gerlach aus Eimsbüttel gewinnt beim Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten

Als im November 1987 in der Hafenstraße auf St. Pauli Barrikaden gebaut wurden, war Antonia Gerlach noch lange nicht geboren. Die 13-jährige Schülerin aus Eimsbüttel hat mit Zeitzeugen des Hamburger Häuserkampfes gesprochen und eine beeindruckende Arbeit darüber geschrieben. Am Mittwoch (13. November) ist Antonia Gerlach in Berlin mit dem Ersten Preis beim Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten ausgezeichnet worden – von Joachim Gauck persönlich.
„Schule und Hausbesetzer – Nachbarschaft in der Barrikadenzeit“ ist der Titel der Arbeit. Es gibt eine Masse an Texten zu dem Konflikt um die Häuser am Hafenrand. Antonia Gerlach interessierte eine eher vernachlässigte Frage: Wie prägte die Auseinandersetzung den Alltag an der benachbarten Schule Friedrichstraße (heute Ganztagsschule St. Pauli) und wie war das Verhältnis zu den Hausbesetzern?
Die Achtklässlerin des Gymnasiums Kaiser-Friedrich-Ufer sprach unter anderem mit der damaligen Leiterin der Schule Friedrichstraße, mit dem Hausmeisterehepaar, mit früheren Besetzern, mit einem Polizisten und dem damaligen Bürgermeister Klaus von Dohnanyi. Eine aufwändige Fleißarbeit: Etwa sechs Monate beschäftigte sich die Schülerin mit dem Thema – Interviews führte sie meist an den Wochenenden in ihrer Freizeit. Herausgekommen ist dabei ein spannendes und lebendiges Bild vom Leben im und mit dem Konflikt. 50 Seiten, fast schon eine Seminararbeit! Die Achtklässlerin lässt alle Seiten mit ihren Erinnerungen zu Wort kommen – notiert ihre persönlichen Eindrücke zu den Gesprächspartnern und setzt hier und da Fragezeichen hinter die Erzählungen. Schließlich widersprechen sich so manche Schilderungen von Polizei und Hausbesetzern. „Besonders spannend war es, wie die Leute erzählen und was sie dazu empfinden“, sagt die Eimsbüttelerin.
Ob Antonia Gerlach bei einer der nächsten Runden erneut am Wettbewerb teilnimmt, weiß sie noch nicht. „Hängt vom Thema ab.“

Der Wettbewerb

Das Gymnasium Kaiser-Friedrich-Ufer (Kaifu) gehört zu den erfolgreichsten Schulen beim diesjährigen Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten. Antonia Gerlach (Erster Preis, 2.000 Euro) und Julia Bonk (Dritter Preis, 500 Euro) sind die Siegerinnen aus Eimsbüttel. Der Wettbewerb wird von der Körber-Stiftung ausgerichtet. Insgesamt 1.321 Arbeiten wurden dieses Jahr eingereicht.
Infos: www.geschichtswettbewerb.de
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1 Kommentar
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Angela Banerjee aus Altona | 20.11.2013 | 21:29  
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