Schöner Altbau wird abgerissen – muss das sein?

Wird abgerissen: Dirk Hoener und seine Familie müssen aus ihrem125 Jahre alten Wohnhaus in der Eimsbütteler Chaussee 41 ausziehen. (Foto: cvs)

Eimsbütteler Chaussee 41: Haus von 1887 soll noch dieses Jahr weichen

Von Christopher von Savigny, Eimsbüttel – Hübsche Jugendstilfassade, historische Details in den Wohnungen: Das Haus in der Eimsbütteler Chaussee 41 ist eines der letzten Schmuckstücke im Viertel. Doch der Altbau von 1887 wird abgerissen.
Dirk Hoener wohnt mit seiner Familie in fünfter Generation in dem Haus. Der Eimsbütteler hat vor 13 Jahren die Wohnung der Großeltern übernommen. Hoeners 100-Quadratmeter-Wohnung hat 3,60 Meter hohe De-cken und einen wunderschönen Dielenfußboden. Die Wand über der Spüle ist mit blauweißen Fliesen verkleidet, auf denen ein alter Küchenspruch zu lesen ist: „Friede am Herd ist Goldes werth.“
Hoener ist in der Tornquiststraße groß geworden, hat aber den Großteil seiner Kindheit im Haus seiner Großeltern verbracht. Im Garten wächst eine stattliche Blautanne. „Der Weihnachtsbaum meiner Kindheit“, erzählt der Eimsbütteler. „Später haben meine Großeltern sie nach draußen verpflanzt.“ Erinnerungen.
Die Gegenwart: Nach einem Eigentümerwechsel soll das Haus noch in diesem Jahr abgerissen werden. „Wir planen 50 bis 55 Neubauwohnungen zu bauen“, sagt Stefan Henning, einer
der Geschäftsführer der Firma Wernst Immobilien. „Das Gebäude ist nicht mehr standfest“, verteidigt Henning die Abrisspläne. Als Ausgleich werde ja wieder neuer und auch erheblich mehr Wohnraum geschaffen. Die vier Geschäfte im Erdgeschoss – ein Friseur, ein Musikgeschäft, ein Restaurant und ein Architekturbüro – haben bereits die Kündigung bekommen, die Wohnungsmieter jedoch noch nicht. „Wir wollen das einvernehmlich regeln“, sagt Henning. Es sei bereits mit allen Mietern gesprochen worden.
Die Bewohner bestreiten das: „Bei uns hat sich keiner gemeldet“, berichtet Hoener, dem es nicht nur um persönliche Erinnerungen geht, sondern auch um den Erhalt eines schützenswerten Altbaus. „Ich kann an dem Haus keine Mängel entdecken“, sagt er.
Ein Fall für das Denkmalschutzamt? Nein. „Das Gebäude ist heute insbesondere im Erdgeschoss zu stark verändert, um noch als Denkmal eingestuft werden zu können“, sagt Kristina Sassenscheidt, Sprecherin des Denkmalschutzamtes.
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