Schnellere Busse: „Der Senat verpulvert Millionen“

Fahren im Fünf-Minuten-Takt und werden doch dem Ansturm nicht gerecht: Die Busse der 5er-Linie sollen schneller und häufiger unterwegs sein. Was die Verkehrsbehörde vorhat, um das zu erreichen, ist allerdings noch ziemlich unklar.

Hau-Ruck-Umbau in Eimsbüttel: Bezirkspolitiker kritisieren Pläne der Verkehrsbehörde

Schelmenstück um schnellere Busse in Eimsbüttel:An Haltestellen der Buslinie 5 soll gebaut werden, möglichst schnell. Doch die Planer der Verkehrsbehörde wissen selbst nicht, was genau das bringen soll. Bezirkspolitiker schlagen die Hände über dem Kopf zusammen.
Die Kreuzung Grindelallee/Beim Schlump soll umgebaut werden, um den 4er- und 5er-Bus schneller durchzuschleusen. Geplant ist, die Haltestelle für die 5er-Linie (Richtung Niendorf) nach Norden zu verlegen und eine extra Abbiegespur für den 4er-Bus (Richtung U-Bahnhof Schlump) zu bauen. Kosten: zwei Millionen Euro. Das stellten Planer der Verkehrsbehörde im Kerngebietsausschuss vor. Den Bezirkspolitikern fehlen jedoch wichtige Fakten. „Niemand kann sagen, wie viel schneller ein Bus durch diesen Kreuzungsumbau wird. Hier werden gerade unter Zeitdruck Millionen verpulvert“, kritisiert Fabian Klabunde, verkehrspolitischer Sprecher der GAL-Fraktion. Auch Hans-Hinrich Brunckhorst (CDU) und Hartmut Obens (Linke) ärgert das Hauruckverfahren der Fachbehörde.
Hintergrund: Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) versprach im März 2011, das modernste Bussystem Europas zu schaffen (siehe Kasten). Bisher blieb es bei Ankündigungen – nun muss anscheinend mal irgendetwas passieren.
Die 5er-Linie in Eimsbüttel und Hoheluft bietet sich dafür an: Diese Strecke gilt als die meistgenutzte Linie der Stadt. Allein zwischen Grindelhof und Dammtor sind laut Hochbahn täglich 60.000 Menschen mit dem Bus unterwegs. Die teilweise extralangen Dieselkutschen schaffen es nicht mehr, dem Ansturm gerecht zu werden, obwohl sie im Fünf-Minuten-Takt fahren.
Die Bezirkspolitik fordert nun fraktionsübergreifend Details und eine Kosten-Nutzen-Rechnung für den Umbau. Überfahren fühlen sich die Eimsbütteler Experten auch, da die Fachbehörde gar nicht berücksichtigt hat, dass die 4er-Linie im Zuge des Uni-Ausbaus in die Bundesstraße verlegt werden soll. Der Bus wäre dann schon lange vor der Kreuzung Grindelallee/Beim Schlump abgebogen, wo er für viel Geld eine Extra-Spur bekommen soll.

Das Busprogramm des Senats
Insgesamt 259 Millionen Euro will der Senat bis 2020 ausgeben, um das Busnetz in Hamburg zu verbessern. Vorfahrt für Busse an Ampeln, Haltestellen verlegen, extra Spuren schaffen: Das sind die Rezepte für einen zügigeren Busverkehr. Details sind bisher kaum bekannt. Auf Anfrage des Elbe Wochenblatts sagt die Verkehrsbehörde, dass für die 5er-Linie „erste Planungen“ aufgenommen worden sind. Die bereits im Ausschuss vorgestellten Details werden gar nicht erwähnt. Anscheinend weiß da die eine Hand nicht, was die andere gerade macht.
Schnellere Busse sind der Ersatz für die vom SPD-Senat gestrichenen Stadtbahn-Ambitionen der schwarz-grünen Vorgängerregierung. Die moderne Straßenbahn war wegen der immensen Kosten und des Widerstands von Bürgern aufs Abstellgleis geschoben worden. Experten sagen allerdings, dass nur eine Stadtbahn die Lösung auf den stark genutzten Linien sein kann. Auch schnellere Busse stoßen demnach bald an Kapazitätsgrenzen. Auch die Eimsbütteler CDU und GAL befürworten nach wie vor eine Stadtbahn.
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Katja H. Renfert aus Rotherbaum | 23.02.2012 | 10:35  
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