Schiet-Autobahn fertig gebuddelt

Noch sind die Wände hellgrau – doch bald wird dort, wo jetzt Nathalie Leroy und Michael Beckereit (Hamburg Wasser) stehen, eine dunkelbraune, stinkende Brühe vorbeirauschen. (Foto: cvs)

Das 3,6 Kilometer lange Siel Isebek soll ab Ende 2016 große Wassermassen ableiten

Christopher von Savigny, Eimsbüttel / St. Pauli

Rund vier Jahre lang – mit Unterbrechungen – hat sich der große Bohrer unter Eimsbüttel und St. Pauli hindurchgewühlt: Gut dreieinhalb Kilometer weit, von der Hafenstraße bis zum Weidenstieg, im Durchschnitt 20 Meter unterhalb der Erdoberfläche, 2,40 Meter im Durchmesser. Christopher Rudlaff, Bautechniker bei Hamburg Wasser, weiß, dass es dafür Fingerspitzengefühl braucht. „Wir sind teils nur zwei Meter unter dem alten Siel durchgefahren“, berichtet er. „Wenn man da nicht aufpasst, kann es leicht zu Setzungen kommen. Das darf natürlich nicht passieren.“
Ist aber alles gut gegangen, jetzt ist das neue Transportsiel Isebek, das die Hamburger vor übelriechenden Überschwemmungen schützen soll, so gut wie fertig. Nur das Überlaufbauwerk – die Verbindung vom alten Siel ins neue – fehlt noch. Ende 2016 soll dann Eimsbüttels neue „Abwasserautobahn“ in Betrieb genommen werden.
Das Siel Isebek ist eines von zwei neuen Transportsielen, das künftig etwa bei Starkregen zum Einsatz kommen wird. Dann nämlich, wenn das Regenwasser in großen Mengen in die städtische Kanalisation fließt und sich dort mit Abwasser aus Toiletten und Haushalten mischt. Schlechte Luft, stinkendes Elbwasser und teilweise Fischsterben sind die Folge.
Auf diese Weise seien bislang 160.000 Kubikmeter sogenanntes Mischwasser ausgetreten. „Wir reduzieren diese Zahl auf ein Drittel“, verspricht Hamburg Wasser-Geschäftsführer Michael Beckereit, der den Klimawandel und die zunehmende Versiegelung Hamburgs für die typischerweise im Sommer auftretenden „Starkregenereignisse“ verantwortlich macht.
Das Siel Isebek endet an der Hafenstraße in einem Pumpwerk. Von dort aus wird das Abwasser in einem „Düker“ (Leitung) unter der Elbe hindurch ins gegenüberliegende Klärwerk Köhlbrandhöft gepumpt. Das zweite Entlastungssiel verläuft unterhalb des Holstenwalls und soll Ende 2018 fertiggestellt sein.

Hamburg Wasser in Zahlen

850 Millionen Euro will Hamburgs Wasserversorger bis 2020 in seine Anlagen investieren. „Dabei handelt es sich nicht um ein besonderes Programm, sondern um die Fortsetzung dessen, was wir sowieso schon immer tun“, sagt Geschäftsführer Michael Beckereit. Im Jahr 2015 hat Hamburg Wasser gut zwei Millionen Menschen in Hamburg und Umgebung mit 116,4 Millionen Kubikmetern Trinkwasser versorgt. Dies entspricht dem 34-fachen Inhalt der Außenalster. Die Steigerung gegenüber 2014 liegt bei 0,8 Prozent. Als Grund dafür werden der heiße Vorjahressommer und der Bevölkerungszuwachs genannt. Insgesamt konnte Hamburgs Wasserversorger ein Umsatzplus von zwei Prozent erwirtschaften.
Das städtische Unternehmen „Hamburg Energie“ musste hingegen Abstriche machen: Statt der angepeilten 1,2 Millionen Euro standen nur 835.000 Euro Gewinn zu Buche. Beckereit: „Grund für das geringere Ergebnis ist der verzögerte Bau von sechs Windkraftanlagen im Hafen und der damit verbundene Ertragsausfall.“ Mittlerweile peile man 2017 als Starttermin an.
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