Schelte für den Sparsenator

Hatte einen schweren Stand bei der Diskussion im Bürgerhaus der Lenzsiedlung: Sozialsenator Detlef Scheele (Foto oben). Aber: „Für Senatoren ist das sehr interessant, weil sie vor Ort mitbekommen, wie die Stimmung ist“, sagte er. (Foto: cvs)

Sozialsenator Detlefe Scheele in der Lenzsiedlung: Anwohner wehren sich gegen Sparprogramm

Christopher von Savigny, Lokstedt – Hamburgs SPD will sparen, um zehn Prozent sollen die Ausgaben für Jugendhäuser, Bauspielplätze und andere offene Treffpunkte sinken (siehe Kasten). Was halten die Betroffenen davon? Ein Ortsbesuch in der Lenzsiedlung in Lokstedt.
Sozialsenator Detlef Scheele wagte sich letzte Woche ins Bürgerhaus, um seine Sparpolitik zu rechtfertigen. Dies sei bereits sein fünfter Besuch in einer solchen Einrichtung, zwei weitere sollen bis zum Jahresende folgen. „Für Senatoren ist das sehr interessant, weil sie vor Ort mitbekommen, wie die Stimmung ist“, sagte Scheele zu Beginn.
Davon bekam das Senatsmitglied tatsächlich eine Menge mit, denn während der folgenden zwei Stunden blies Scheele der Wind recht kräftig ins Gesicht. „Sie haben uns geholfen, das Haus hier aufzubauen“, sagte Anwohnerin Manuela Pagels, eine von rund 150 Besuchern. „Jetzt haben wir zwar die Räume, können aber demnächst keine Kinder mehr aufnehmen.“ Auf 35.000 Euro pro Jahr muss der Verein Lenzsiedlung mit seinem 2010 errichteten Bürgerhaus künftig verzichten. „Künftig werden wir nur noch an zwei bis drei Tagen pro Woche öffnen können, statt wie bisher an vier oder fünf“, schätzt Vereinschef Ralf Helling.
Eine halbe Stelle fällt weg – und damit auch das Musikprojekt mit seinem Gitarrenkurs, den „Lenz-Dance-Girls“ und der monatlichen „Blockparty“. Helling hält das Sparprogramm für kontraproduktiv: „Ohne niedrigschwellige Angebote wird es langfristig teurer.“
Scheele hält dagegen, dass das eingesparte Geld direkt in der Ausbau der Ganztagsschulbetreuung fließen soll – doch ob die Schulen diese Aufgabe stemmen können, ist völlig unklar. „Unser Angebot läuft nur bis 16 Uhr“, sagte Nina Mayer, kommissarische Leiterin der Schule Vizelinstraße. „Alles, was danach kommt, müssen doch wieder die Jugendeinrichtungen übernehmen.“
Wie die jungen Leute selbst darüber denken, bringt Mohamed (16) auf den Punkt: „Ich kann mich mit Freunden treffen, bekomme Nachhilfe, kann mit den Betreuern über Probleme reden. Ohne das Jugendhaus wäre ich geliefert!“


Die Kürzungspläne für Eimsbüttel

Zehn Prozent seiner Ausgaben will der Hamburger Senat ab 2013 im Bereich der offenen Kinder- und Jugendarbeit einsparen. Hamburgweit sind dies etwa 3,5 Millionen Euro, pro Anbieter sind das rund 13.000 bis 40.000 Euro weniger im Jahr. Im Bezirk Eimsbüttel müssten 362.000 Euro gestrichen werden. Wie und wo? Darüber streiten sich im Jugendhilfeausschuss Parteien und Vertreter der betroffenen Einrichtungen seit Wochen. Nun appelliert der Ausschuss an den Senat, die Kürzungen für zwei Jahre auszu-
setzen und währenddessen über Veränderungen in den Bereichen Jugendhilfe und Ganztagsschule zu beraten.
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