Schanzenviertel: Schutz vor Spekulanten

Beliebtes Wohnquartier, von Investoren begehrt: Im Schanzenviertel soll es schwerer werden, Miet- in Eigentumswohnungen umzuwandeln.

Verordnung soll Bewohner vor Verdrängung schützen - was heißt das?

Das Schanzenviertel ist begehrt – sowohl bei Mietern als auch bei Investoren. Um den Trend zum teuren Wohnquartier zu bremsen, hat die Stadt eine Verordnung erlassen. Was bedeutet das? Das Elbe Wochenblatt gibt den Überblick.
Seit Ende März gilt eine Soziale Erhaltungsverordnung. Das Ziel: Die Bewohner sollen vor Verdrängung geschützt werden. Im Kern schiebt der Erlass Luxusmodernisierungen und dem Trend zu (teuren) Eigentumswohnungen einen Riegel vor. Das Bezirksamt Altona redet nun bei fast allen Umbauten in Häusern oder bei Neubauten mit. Wer das Bad sanieren lassen, neue Grundrisse ziehen oder Wohnungen zusammenlegen will, muss dies genehmigen lassen. Das Amt prüft dabei, ob die Wohnungen möglicherweise deutlich teurer werden könnten und so zahlungskräftigere Bewohner anlocken, die weniger finanzstarke verdrängen.
Grundlage der Verordnung ist eine aufwändige Untersuchung zum Quartier. Kernergebnisse: Akademiker, Mittelschicht, aber auch Geringverdiener wohnen im Viertel, schätzen die Vielfalt ihrer Nachbarschaft. Kritisch wird die ausufernde Gastronomie gesehen. Durchschnittlich acht Euro Kaltmiete pro Quadratmeter sind fällig – bei Neuvermietungen liegen die Forderungen allerdings mit bis zu 13,50 Euro deutlich höher. Laut Gutachtern ist davon auszugehen, „dass weitere massive bauliche Veränderungen und Umwandlungen stattfinden werden“. Daher soll auch der Verkauf von Häusern überwacht werden.
Plant ein Hausbesitzer etwa, Mietwohnungen in Eigentumswohnungen umzuwandeln, muss dies genehmigt werden. Interessant: Die Stadt hat auch ein Vorkaufsrecht, um Spekulation vorzubeugen. „Jeder Grundstücksverkauf in einem Gebiet einer sozialen Erhaltungsverordnung gelangt zur Prüfung in das Bezirksamt Altona. Ergibt sich nach hiesiger Prüfung ein begründeter Anlass anzunehmen, dass dieser Verkauf/Erwerb in spekulativer Absicht erfolgt, so kann das Amt der Stadt begründet die Ausübung des Vorkaufsrechtes empfehlen“, sagt Kerstin Godenschwege, Sprecherin des Bezirksamts Altona. Ob die Stadt das dann auch tut – ist eine andere Geschichte.

Das sagt „Mieter helfen Mietern“


Der Verein Mieter helfen Mietern (MhM) begrüßt den Erlass der Verordnung. „Diese hätte schon vor ein paar Jahren kommen dürfen, aber besser spät als nie“, sagt MhM-Juristin Sylvia Sonnemann. Es sei ein wichtiges Signal, dass der Trend zu Eigentumswohnungen gebremst werde. „Gut, dass Bauherren wissen, mit Luxusmodernisierungen wird man hier nichts mehr.“ Wichtig ist für MhM aber auch, Leerstand zu verhindern, mit dem entsprechenden Wohnraumschutzgesetz lasse sich der Senat aber viel Zeit. Ärgerlich sei zudem, dass es gerade im Schanzenviertel so viele Ferienwohnungen gebe, die dem Wohnungsmarkt entzogen werden. Der Verein hatte in den vergangenen Jahren mehrfach Leerstände und als Feriendomizile genutzte Wohnungen angezeigt.
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