Schanzenhof: Kurs auf Konfrontation

Transparent, Flaschenpost und Pflasterstein aus Pappmaché im Garten: Aktivisten haben vorige Woche erneut an der Geschäftsvilla der Schanzenhof-Eigentümer Maximilian und Moritz Schommartz protestiert. (Foto: pr)

Gentrifizierungsgegner setzen auf Widerstand – Schanzenfest am Sonnabend

Ausräumen heißt wohl nicht aufgeben. Die gekündigten Mieter des Schanzenhofs müssen bald raus. Aber es ist unwahrscheinlich, dass dann Ruhe einkehrt im Konflikt um Mieterhöhungen und Vertreibung. Das Viertel bereitet das Schanzenfest vor – auch das Umfeld der Roten Flora ist mit dabei.
Vorigen Donnerstag hing ein Transparent vor der weißen Geschäftsvilla der Eigentümer Schommartz: „Hände weg vom Schanzenhof.“ Auf dem Rasen stand eine überdimensionale grüne Flasche aus Pappmache. Flugblätter rundherum verteilt. Die Protestler lassen die Inves-toren Maximilian und Moritz Schommartz nicht in Ruhe.

Keine Rücknahme der Kündigungen

Vorigen Sonnabend hat es der seit einem dreiviertel Jahr schwelende Konflikt auch in das Nachrichtenmagazin „Spiegel“ geschafft. Unter der Schlagzeile „Gekündigt vom Genossen“ schreibt der Autor auf, wie der Schanzenhof innerhalb von 25 Jahren vom alternativen Kulturprojekt zum Spielball von Investoren wurde. Aktuell im Mittelpunkt der Kritik: Maximilian Schommartz, SPD-Mitglied, Deputierter der Wirtschaftsbehörde, Immobilienunternehmer. „Nun begräbt der Sozialdemokrat ein sozialdemokratisches Paradeprojekt“, fasst der „Spiegel“ zusammen.
Ändert der Protest irgendetwas am Verhalten der Investoren? Gibt es für die gekündigten Mieter Chancen, doch im Hof zu bleiben? Nein. Schommartz lässt dem Elbe Wochenblatt über den Verwalter ausrichten: „Eine Rücknahme der Kündigungen ist ausgeschlossen, da die Flächen an Nachmieter vermietet sind. Zudem fehlt bereits die Grundlage für eine weitere vertragliche Zusammenarbeit, nachdem eine Gruppe Vermummter, unter denen sich auch einige der fünf gekündigten Mieter befanden, im Dezember in die Büroräume der Hausverwaltung eindrangen und hierbei gefährliche Körperverletzungen und Sachbeschädigungen begangen.“
Das Alternativhotel Schanzenstern, Klavierlehrerin Serena Kahnert und Sängerin Katriana müssen raus. Bleiben dürfen noch das Kino 3001 (Vertrag bis 2021) und die Volkshochschule. Aber auch hier geht niemand ernsthaft davon aus, dass diese Ankermieter des Hofs von Mieterhöhungen verschont bleiben.
Am Sonnabend, 26. März, ist von 10 bis 22 Uhr Schanzenfest rund um die umkämpfte Immobilie.

Bleibe für Drogenberatungsstelle Palette


Eine gute Nachricht gibt es: Die ebenfalls gekündigte Drogenberatungsstelle Palette hat eine neue Bleibe gefunden. Der Vertrag ist unterschrieben, aber die Räume müssen noch umgebaut werden. Die neue Bleibe ist in der Amandastraße, zwei Straßenzüge vom jetzigen Sitz in der Bartelsstraße entfernt. In der Nachbarschaft sind unter anderem das Mehrgenerationenhaus Nachbarschatz und das interkulturelle Mut-Theater. „Wir hoffen auf Akzeptanz dort im Viertel“, sagt Palette-Geschäftsführerin Anke Mohnert. Eine Drogenberatungsstelle hat in den besseren Wohnvierteln meist niemand so gern nebenan – im schanzennahen Eimsbüttel-Süd sind die Anwohner vermutlich toleranter. Bis die neuen Räume fertig sind, kann die Palette im Schanzenhof bleiben. Eigentümer Schommartz hat dem zugestimmt.
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