Schanzenhof: In feindlicher Umgebung

Umbau hinter Spanplatten: Jill Bittner übernimmt die Gastronomie im ehemaligen Schanzenstern, Stephan Behrmann krempelt das Hotel in den Etagen darüber um.

Wie Hotelier Stephan Behrmann versucht, als Neu-Mieter anzukommen

So fühlt es sich also an, als Arschloch zu gelten. Wenn Stephan Behrmann in den Schanzenhof kommt, wird er immer wieder mit Schimpfworten begrüßt. Hier hat der Hotelier Anfang April unter Polizeischutz die Räume des ehemaligen Hotels und Restaurants Schanzenstern übernommen. Im Gespräch wechselt er schnell zum „Du“ – „das machen wir so im Viertel“. Bart, Jeans-Jacke, Hund an der Leine. Typ: Kumpel. In jeder anderen Ecke Hamburgs käme er damit wohl an – im umkämpften Schanzenhof nicht.
Deshalb sitzen er und seine Gastronomie-Partnerin Jill Bittner (siehe Extra-Text) nun im grellen Licht von Baulampen. Die Fenster im Erdgeschoss sind mit Spanplatten verrammelt. Immer wieder wurden sie eingeworfen, morgens klemmten Böller unter den Türgriffen. Eine freundliche Begrüßung sieht anders aus. Warum tut einer sich das an?
Weil er glaubt, etwas Gutes zu machen. Und weil er Geschäftsmann ist. Behrmann will an der Bartelsstraße Mitte des Jahres sein drittes Hotel eröffnen. Auf St. Pauli betreibt er seit 2012 das Pyjama Park-Hostel, nahe des Schanzenbahnhofs hat er 2014 ein weiteres Haus übernommen.

Protest im Hof, Eigentümer lassen Zaun aufstellen

Im Schanzenhof hält das Kino 3001 als Erstmieter mit anderen den Widerstand gegen die „Neuen“ aufrecht. Unterstützer protestieren regelmäßig vor der Villa der Immobilien-Eigentümer Maximilian und Moritz Schommartz und laden zur Volksküche in den Hof ein. Neulich engagierten die Eigentümer deshalb einen Sicherheitsdienst und sperrten sogar mit einem Zaun für knapp einen Tag den Hof ab.
Behrmann sagt zu dem Konflikt: „Das ist alles sehr hochgeschaukelt. Wir versuchen, hier im Viertel anzukommen und authentisch zu sein.“ Dazu gehört für ihn auch, sich zu engagieren. Er will einen Verein gründen, um Menschen in der Nachbarschaft zu helfen, denen es nicht so gut geht. Behrmann verspricht, pro verkauftes Bett in allen seinen Hotels 14 bis 19 Cent zu spenden. „Unser Ziel ist, pro Monat 1.000 Euro zusammenzubekommen“, sagt er.
Es ist Imagepflege – aber ob ihm das was nützt?

Schanzenhof - ein Spekulationsobjekt


Der Schanzenhof ist ein aus mehreren Gebäuden bestehender Gewerbe- und Kulturhof zwischen Bartels- und Schanzenstraße, der seit 2013 den Brüdern Maximilian und Moritz Schommartz und deren Immobiliengesellschaft HWS gehört. Im vorigen Jahr wurde etlichen Erstmietern gekündigt: das Alternativhotel Schanzenstern und mehrere Künstler sind nun raus, die Drogenberatungsstelle Palette kann noch vorübergehend bleiben. Bedroht ist auch das Kino 3001, dessen alter Mietvertrag 2021 ausläuft. Der Schanzenhof gilt als Paradebeispiel für Immobilienspekulation im Schanzenviertel: 2006 von der Stadt verkauft, ist der Komplex mehrere Male weiter veräußert worden, jeweils mit satten Gewinnen für die privaten Eigentümer.
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