Schanzenhof-Eigentümer: „Ich bin kein Spekulant“

Will den Schanzenhof langfristig behalten: Unternehmer Maximilian Schommartz.
 
Durchgang zum Innenhof: Um die Nutzung mancher Flächen gibt es Streit.

Wie Maximilian Schommartz sich gegen Vorwürfe und Proteste wehrt

Kantig kann er auch – wie seine Widersacher. Gegen Parolen und Protest wehrt sich Schanzenhof-Eigentümer Maximilian Schommartz mit Anwälten, Anzeigen und Argumenten – alles gleichzeitig. Bei unserem Treffen packt er einen Stapel Unterlagen auf den Tisch, seine Augen blitzen, und er fängt an aufzuzählen. Zu welchen ungewöhnlichen Zugeständnissen er im Streit um Mieterhöhungen bereit gewesen sei. In seiner Stimme schwingt Entrüs-tung mit. Denn die Mieter wollten weiterhin günstige Mieten und organisierten Protestaktionen gegen ihn. Es prallten Welten aufeinander: Da der 32-jährige Unternehmer aus Winterhude, der sich mit seinem Bruder eine millionenteure Immobilie im angesagten Schanzenviertel kaufte. Im Hof ein letzter Hort von Alternativkultur, der sich gegen steigende Mieten im Umfeld behaupten konnte. Bis Schommartz kam. Klare Fronten? Mit einem Medienberater an seiner Seite will er seine Sicht der Dinge kundtun.

„Aus den Innenhöfen lässt sich etwas machen“


Der Unternehmer mit SPD-Parteibuch hat es satt, in der Öffentlichkeit als Spekulant dazustehen und Parolen wie „Schommartz – Immobilienhaie zu Fischstäbchen“ auf Plakaten im Hof zu sehen. Er widerspricht, dass er den Schanzenhof umkrempeln, aufhübschen und wieder verkaufen will. „Alle meine Immobilien halte ich langfristig. Der Schanzenhof ist ein beeindruckendes Ensemble, aus dessen Innenhöfen sich etwas machen lässt“, so der Unternehmer.
Er will Geld verdienen, Mieten sollen steigen, wo es möglich ist. Auf 14 Euro – die angebliche ortsübliche Vergleichsmiete. Einige der alten Mietverträge für Kulturtreibende sahen noch 8,50 Euro vor. Das Kino 3001 zahle derzeit knapp sieben Euro.
Gegen Vorwürfe und Proteste geht Schommartz mittlerweile mit Anwälten vor. Es gebe mehrere Ermittlungsverfahren wegen Sachbeschädigung und Körperverletzung.
Streit gibt es immer noch um die Zukunft des Kinos 3001, das einen Vertrag bis 2021 hat. Das 3001 und der Verein Schanzenhof halten den Protest gegen ihren neuen Vermieter aufrecht, dieser forderte als Reaktion das Kino dazu auf, Tische, Stühle oder Fahrradständer im Hof zu entfernen. Verbunden war dies mit dem Hinweis auf eine mögliche fristlose Kündigung. Es ist schwer, das nicht als Drohung anzusehen.
Schommartz betont, dass er mit dem Kino eine Verlängerung des Vertrags abschließen würde. „Vorher möchte ich aber ein klärendes Gespräch führen, wie man hier miteinander umgeht. Die Angriffe und unwahren Behauptungen der vergangenen Wochen müssen aufhören.“

Mieter helfen Mietern: "Jeder Käufer will Kasse machen"

Marc Meyer, Jurist bei Mieter helfen Mietern (MhM), sieht das Grundproblem in dem Verkauf der städtischen Immobilie an Privatinvestoren 2006. Schon damals sei absehbar gewesen, dass die Mieten im Viertel stark ansteigen würden und dass dieser Trend auch vor dem Schanzenhof nicht Halt macht – trotz Deckelung von Mieten in einigen Verträgen. „Es war klar, dass jeder Käufer Kasse machen will. Es war nur eine Frage der Zeit“, so Meyer. Aktuell seien dies nun die Schommartz-Brüder. „Wenn man von Künstlern eine ortsübliche Miete verlangt, die sie nicht bezahlen können, dann schmeißt man sie raus“, so Meyer. Mit der erwartbaren Kritik müsse ein Eigentümer leben. Den Konflikt um den Fortbestand des Kinos 3001 ordnet Meyer als Machtdemonstration ein.


Info: Der Schanzenhof

Der Schanzenhof ist ein aus mehreren Gebäuden bestehender Gewerbe- und Kulturhof zwischen Bartels- und Schanzenstraße, der seit 2013 den Brüdern Maximilian und Moritz Schommartz gehört. Im vorigen Jahr wurde etlichen Erstmietern gekündigt: das Alternativhotel Schanzenstern und mehrere Künstler mussten ausziehen, die Drogenberatungsstelle Palette kann noch vorübergehend bleiben. Der Schanzenhof gilt als Paradebeispiel für Immobilienspekulation im Schanzenviertel: 2006 von der Stadt verkauft, ist der Komplex mehrere Male weiter veräußert worden, jeweils mit satten Gewinnen für die
privaten Eigentümer.
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