Schanzenfest für den Schanzenhof

Mieter und Unterstützer des Schanzenhofs wollen weiterhin Protest gegen Kündigungen organisieren.

Konflikt um Kündigungen: Unterstützer wollen Protest fortsetzen

Bald müssen sie raus aus ihren Räumen im Schanzenhof zwischen Bartels- und Schanzenstraße. Ende März ist Schluss. „Ich habe nichts Neues gefunden, ich stehe dann auf der Straße“, sagt Sängerin Katriana. „Meine Existenz wird vernichtet“, beklagt Serena Kahnert vom Musik- und Bewegungsatelier. Sie sind zwei von fünf Mietern, denen die Verträge im vorigen Jahr von den Besitzern Maximilian und Moritz Schommartz gekündigt wurden. Für eine Fort-
setzung der Verträge sollte die Miete um bis zu 60 Prozent steigen. Von 8,50 auf etwa 14 Euro kalt pro Quadratmeter. „Wir machen Kultur, da können wir nicht 14 Euro zahlen“, so Katriana.
Die Gebrüder Schommartz und ihre Immobiliengesellschaft HWS setzen viele langjährige Mieter im Schanzenhof vor die Tür. Außer den beiden Künstlern müssen auch das Alternativhotel Schanzenstern und die Drogenberatungsstelle Palette raus. Ein Boxclub ist schon ausgezogen. Das linksalternative soziale Projekt in der ehemals städtischen Immobilie wird auseinandergerissen.

„Kommerzscheiße im Schanzenhof verhindern“

Gegen das Vorgehen von HWS wollen die geschassten Mieter und Unterstützer weiterhin Protest organisieren. „Wir wollen verhindern, dass da irgendwelche Kommerzscheiße reinkommt“, sagte Peter Hass vom Unterstützerkreis. Langjährige Mieter raus, Preise hoch: Es geht aus Sicht vieler um die Frage, wie sich hier beispielhaft das Viertel verändert. Gut 60 Besucher kamen zu einer Infoveranstaltung vorige Woche ins Jesus Center. Tenor: Schommartz und HWS soll klar gemacht werden, dass sie im Viertel nicht willkommen sind. „Ich möchte, dass ihr da bleibt. Es ist Scheiße, wenn das von so einem Geldheini übernommen wird“, sagte eine Besucherin in Richtung der bisherigen Mieter.

Geplant: Schanzenfest und Demonstration

Was soll passieren? Zum einen ist ein Frühjahrs-Schanzenfest für Sonnabend, 26. März, geplant. Zwischen Schanzenstraße, Bartelsstraße und Susannenstraße soll der Konflikt um den Schanzenhof im Mittelpunkt stehen. Zum anderen will sich der Unterstützerkreis mit weiteren Initiativen vernetzen und eine Demonstration vorbereiten. Auch Protestaktionen direkt am HWS-Verwaltungssitz in Harvestehude sind nicht unwahrscheinlich.
Die Gegenseite ist offenbar besorgt: Nach dem Infoabend riegelten Polizeikräfte vorübergehend die Zugänge zum Schanzenhof ab, kontrollierten Besucher und erteilten mindestens einen Platzverweis, berichtete ein Zeuge gegenüber dem Elbe Wochenblatt. Die Hintergründe sind bisher unklar.

Schanzenhof

Der Schanzenhof ist ein aus mehreren Häusern bestehender Gewerbe- und Kulturhof zwischen Bartels- und Schanzenstraße, der seit 2013 den Brüdern Maximilian und Moritz Schommartz und deren Immobiliengesellschaft HWS gehört. Im vorigen Jahr wurde etlichen Erstmietern gekündigt. Bedroht ist auch das Kino 3001, dessen alter Mietvertrag 2021 ausläuft.
Der Schanzenhof gilt als Paradebeispiel für Immobilienspekulation im Schanzenviertel: 2006 von der Stadt verkauft, ist der Komplex mehrere Male weiter veräußert worden, jeweils mit satten Gewinnen für die privaten Eigentümer. Seitdem die Schommartz-
Gesellschaft Eigentümer ist, gibt es Streit um Mieterhöhungen und ausstehende Reparaturen – zuletzt folgten Kündigungen. Maximilian Schommartz ist auf Vorschlag der SPD zum Deputierten der Wirtschaftsbehörde gewählt worden.
Die Schanzenhof-Unterstützer fordern die Rücknahme der Kündigungen, den Rück-kauf des Gebäudes durch die Stadt und günstige Mieten.
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