Saga-Deal im Karoviertel: Bleiben die Mieten günstig?

Kleine Wohnungen zu kleinen Preisen ­- bleibt es dabei im Karolinenviertel? Die Stadt will etwa 900 Wohnungen an die Saga/GWG verkaufen, eine Genossenschaft von Bewohnern des Quartiers ging leer aus und befürchtet drastische Mietsteigerungen. (Foto: rs)

Städtisches Unternehmen Saga/GWG kauft 900 Wohnungen – Genossenschaft geht leer aus

Sie fühlen sich ausgebremst und befürchten einen weiteren Mietenanstieg: Die Mieter-Innengenossenschaft Karoviertel kritisiert den Verkauf von gut 900 Wohnungen an die Saga/GWG. Das städtische Immobilienunternehmen übernimmt ab 2014 gut ein Drittel der Wohnungen in dem Quartier.
Das Karolinenviertel ist noch bis Ende 2012 Sanierungsgebiet. Dadurch gelten besondere Schutzmechanismen auf dem Wohnungsmarkt – unter anderem niedrige, über lange Zeit-räume festgelegte Mieten, die sich auch Geringverdiener und Hartz IV-Empfänger leisten können. Die Stadtentwick-lungsgesellschaft Steg verwaltet treuhänderisch die 900 Einheiten. Die Stadt argumentiert, dass die Saga weiterhin günstige Mieten garantieren werde. Derzeit würden bei Sozialwohnungen im Schnitt 4,93 Euro Kaltmiete pro Quadratmeter fällig, bei Wohnungen ohne Mietpreisbindung im Schnitt etwa sechs Euro. Der Vergleichswert aus dem Mietenspiegel liegt laut Behörde bei 8,23 Euro. Zudem verpflichte sich die Saga für einen längeren Zeitraum darauf, nur moderat zu erhöhen.
Die Mietergenossenschaft zweifelt das als „Augenwischerei“ an. „Es ist keineswgs so, dass nun im Karoviertel lang-fristig günstige Mieten gesichert werden“, sagt Vorstandsmitglied Christoph Rauch. Zum einen gelte die angekündigte Deckelung der Mieten für gerade mal 60 Prozent der Wohnungen. Bei den restlichen 40 Prozent lägen die Mieten mit durchschnittlich 6,42 Euro kalt pro Quadratmeter bereits über den vom Senat genannten Werten und könnten alle drei Jahre um 20 Prozent erhöht werden.
Die Genossenschaft hatte darum geworben, selbst den nun verkauften Bestand für 50 Millionen Euro zu übernehmen. Die Stadt soll die 900 Einheiten für etwa 80 Millionen an die Saga abgeben.
Immerhin: Genossenschaften sollen einzelne Immobilien übernehmen können. Die Karogenossen erwarten nun, dass die Saga dieses Versprechen einlöst.

Das sagt Mieter helfen Mietern:
Für Karin Aßmus vom Verein Mieter helfen Mietern ist der Saga-
Deal die zweitbeste Lösung: „Es ist schlecht, dass die Genossenschaft keine Chance bekommen hat. Aber besser ein Verkauf an die Saga als an einen privaten Investor“, so die Expertin.
Der Druck auf den Wohnungsmarkt im Karoviertel sei sehr groß. Bei Angeboten auf dem freien Markt seien starke Erhöhungen zu befürchten.
Aßmus erhofft sich eine dämpfende Wirkung von der sogenannten sozialen Erhaltungsverordnung, die für das Karolinenviertel gilt. Damit soll es schwerer werden, Miet- in Eigentumswohnungen umzuwandeln und Luxussanierungen mit horrenden Mietsteigerungen durchzudrücken. „Normale“ Mieterhöhungen kann die Verordnung allerdings nicht verhindern.
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