S-Bahn oder U-Bahn?

Die neueste U-Bahn-Generation (r.) fährt quer durch die Stadt, für den Westen Hamburgs sind die Pläne bisher vage. Bildet die S-Bahn die Alternative? Sie hat ebenfalls verschiedene Trassen in den Hamburger Westen vorgeschlagen. Die Konzepte werden derzeit verglichen. (Foto: CV/Hochbahn)
 
Möglichkeiten: Von Lokstedt oder Hoheluft aus wird eine Süd- oder eine Nordtrasse geprüft - jeweils als U-Bahn-Strecke (blaue Linien) oder als S-Bahn-Strecke (grüne Linien). (Foto: Hochbahn)

Verkehrsplanung: Welche Konzepte diskutiert werden, um Hamburgs Nordwesten endlich per Schiene zu erreichen

Hamburgs Nordwesten soll nach Jahrzehnten leerer Versprechen endlich per Schiene erreichbar sein. Vielleicht ab 2040. Welche Konzepte es gibt - die wichtigsten Fragen und Antworten.

Was ist geplant?
Die Stadt Hamburg will eine neue U-Bahn-Linie von Bramfeld / Steilshoop bis nach Lurup und in den Osdorfer Born bauen. Die Strecke in den Westen wurde schon 1974 versprochen, getan hat sich bisher nichts. Der Senat plant die Linie U5 vom Hamburger Osten her in die Innenstadt und dann weiter nach Eimsbüttel und Lokstedt. Diese Strecke steht so gut wie fest. Wie es in den Westen weitergeht, ist offen. Es gibt zwei Varianten: Eine über Altona und Ottensen nach Lurup und in den Osdorfer Born. Eine über Lokstedt und Stellingen in die Stadtteile im Nordwesten. Kosten pro Kilometer: schätzungsweise 80 bis 120 Millionen Euro.

Gibt es denn Alternativen zur U-Bahn?

Ja, auch die S-Bahn hat ein Konzept vorgelegt. Demnach wäre eine nördliche Trasse von Stellingen über die Arenen nach Lurup und in den Osdorfer Born möglich. Ebenso eine südliche Trasse von Altona über Bahrenfeld und Lurup zum Endpunkt. Hier gibt es mehrere Varianten – zum Beispiel vom jetzigen Fernbahnhof aus, vom neu geplanten in Diebsteich oder über Ottensen. Geschätzte Kosten pro Kilometer: etwa 100 Millionen Euro.

Was favorisiert die Stadt?

Derzeit die U-Bahn. „Der Senat verfolgt weiterhin das Ziel, die Stadtteile Lurup und Osdorf an das U-Bahn-Netz anzuschließen“, sagt Richard Lemloh, Sprecher der Verkehrsbehörde. Die vorliegenden Konzepte von U- und S-Bahn werden verglichen, „um die insgesamt günstigste und bestgeeignete Lösung zu identifizieren“, so Lemloh. Ergebnisse dazu sollen bis Mitte des Jahres vorliegen.

Skeptiker sagen: Die Pläne für die östliche Route stehen, für den Westen sind sie aber vollkommen offen – stimmt das?
Die Verkehrsbehörde bestreitet das. „Wir arbeiten genau so ernst am Bau der U5 in Richtung Westen. Der HVV muss erst die Varianten prüfen – das bewahrt uns später vor Verzögerungen. Der Senator will auch die schnellstmögliche Realisierung der U5 auf voller Länge“, so Sprecher Lemloh.


Alte Pläne


Sah toll aus im Jahre 1974: Osdorfer Born steht auf dem U-Bahn-Wagen, der durch eine Wahlwerbebroschüre der SPD fuhr. Zugesagter Baubeginn: 1976. Doch bis heute rollt keine Bahn nach
Lurup und in den Osdorfer Born. Anfang 2014 holte die damals noch alleinregierende SPD die Pläne aus der Schublade – für den Westen sind in etwa die gleichen Trassen vorgesehen wie vor gut 40 Jahren. Gewohnte Skepsis: „Die vorgestellte Planung bestätigt leider wieder einmal, dass der Hamburger Westen bei den Schnellbahnplanungen des Senats an letzter Stelle steht“, sagte zum Beispiel Gerhard Sadler von der Verkehrsinitiative „Starten:Bahn West“ Ende vorigen Jahres. Beginnt der Bau im Osten, kommt die Linie vermutlich erst 2040 im Westen an. Denn über jeden der drei Teilabschnitte entscheidet die Bürgerschaft einzeln. Und bis zur Fertigstellung kann es noch viele Regierungs- und damit Richtungswechsel geben.
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