„Rufmord“ an einer Autohändlerin?

Elke Gewe betreibt einen Autohandel in der ehemaligen Tankstelle im Grindelberg 62. Das Bezirksamt lancierte Pläne für eine Elekroautoleihstation an dieser Stelle. Gewe erfuhr davon aus der Zeitung, sieht sich in ihrem Geschäft beeinträchtigt. Ihr Vorwurf: „Rufmord“. Weil sie seit Monaten Drohanrufe erhält, möchte sie nicht erkannt werden.
 
Die Ex-Tanke vor dem Bezirksamt Eimsbüttel: Mit der geplanten Verleihstation will sich der Bezirk ein Prestige-Objekt vor die Haustür holen. Stört da der jetzige Autohandel?

Pächterin der Ex-Tanke am Grindelberg fühlt sich von Plänen des Bezirksamts Eimsbüttel überrumpelt

Ihre Büros liegen in Sichtweite. Bezirksamtsleiter Torsten Sevecke blickt vom 8. Stock seines Amtssitzes herab auf die Ex-Tanke vor dem Grindelhochhaus. Elke Gewe ist Geschäftsfrau, handelt im Grindelberg 62 mit Autos. Doch der Graben zwischen beiden ist tief. Sevecke hat Großes vor mit der Tanke, Elke Gewe wirft ihm „Rufmord“ vor. Szenen eines Zerwürfnisses.
Es begann alles mit einem Pressebericht im Dezember. Aus der Zeitung erfuhr Elke Gewe, dass anstelle ihres Autohandels eine Verleihstation für Elektrofahrzeuge geplant ist. In der großflächigen Geschichte treten Sevecke und der Eimsbütteler Elektroauto-Händler Sirri Karabag forsch auf:Der Sache stehe nichts mehr im Wege, lässt sich Karabag zitieren. Er arbeite eng mit dem Bezirksamt, dem Denkmalschutzamt und dem Vermieter Saga zusammen. Der Haken: Es gab noch einen bestehenden Mietvertrag, Elke Gewe wurde nicht informiert über mögliche Veränderungen.
„Mich fragten danach Leute, was bei mir los sei, ob ich gehen muss oder pleite sei“, schildert sie. Gewe ist wütend: „Man hätte wenigstens mit mir reden müssen.“
Nach Wochenblatt-Informationen ist Bezirksamtsleiter Sevecke die treibende Kraft hinter den Elektroauto-Visionen am Grindelberg. Das bestätigt auch Karabag. Ihn habe das Bezirksamt im Herbst gefragt, ob er sich so eine Station vorstellen könne. Er sagte zu. Es gab Gespräche mit der Presse, dann kam der große Bericht.
„Ein paar Tage danach begannen bei mir Drohanrufe“, schildert Elke Gewe. Auf ihrem Geschäftshandy hörte sie Sätze wie „Dich Alte machen wir kaputt“ oder „Pass auf, wenn Du alleine in Deinem Laden bist“, schildert die 73-Jährige. Sie hat Anzeige erstattet. Aufgrund der anhaltenden Drohanrufe hat sie ihren Vertrag mit der Saga gekündigt.
Karabag weist die Vorwürfe und mögliche Zusammenhänge zurück: „Ich kann mir keinen Reim auf die Drohanrufe machen. Das ist eine Sauerei!“ Heute hält er die Veröffentlichung der Pläne für „sehr unglücklich“.
Bezirksamtsleiter Torsten Sevecke macht keinen Hehl daraus, dass er die E-Mobilität einerseits fördern möchte und andererseits den Gebrauchtwagenhandel in der Nähe von denkmalgeschützten Gebäuden nicht gern sieht. Die Entscheidung, wer Pächter der historischen Tankstelle wird, sei aber allein Sache der Saga. Die kenne „selbstverständlich“ die Haltung des Bezirks.

Stellungnahme aus der Pressestelle des Bezirksamts Eimsbüttel:
Bezirksamtsleiter und Bezirksversammlung haben sich immer wieder (...) für die Förderung der E-Mobilität in Eimsbüttel eingesetzt (...) Diese Auffassung vertritt der Bezirksamtsleiter auch öffentlich (...)
Das Bezirksamt ist (...) der Auffassung, dass der Handel mit Gebrauchtwagen in Eimsbüttel keine vorzugswürdige Nutzung in der Nähe von Wohnbebauung oder vor historischen, denkmalgeschützten Gebäuden ist. Diese Auffassung vertritt der Bezirksamtsleiter auch öffentlich (...) Auch vertritt der Bezirksamtsleiter die Auffassung unabhängig von der Person der Gebrauchtwagenhändler. Gestützt wird diese nachhaltige Position durch das Denkmalschutzamt.
Über die Nutzung und Verpachtung der historischen Tankstelle entscheidet ausschließlich und abschließend die Eigentümerin und nicht das Bezirksamt. Eigentümerin ist die Saga. Die Saga kennt die öffentlich geäußerte Haltung des Bezirks zum Gebrauchtwagenhandel selbstverständlich.
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.