Rote Flora gehört wieder der Stadt

Die Rote Flora am Schulterblatt ist von der Stadt zurückgekauft worden.
Hamburg: Rote Flora |

Lawaetz-Stiftung übernimmt für die Stadt Hamburg das autonome Zentrum am Schulterblatt

Die Rote Flora hat einen neuen Besitzer. Das Elbe Wochenblatt beantwortet die wichtigs-ten Fragen.

Wer hat da was von wem gekauft?
Im Prinzip ist die Stadt nun wieder Eigentümerin des Grundstücks und des Gebäudes am Schulterblatt 71. Die Rote Flora, das seit 25 Jahren besetzte Haus, ist von der städtischen Johann Daniel Lawaetz-Stiftung im Auftrag des Senats gekauft worden. Der bisherige Eigentümer Klausmartin Kretschmer hatte wegen seiner Insolvenz nichts mehr mitzureden.

Wie hoch ist der Kaufpreis?
820.000 Euro – damit zahlt die Stadt deutlich weniger, als sie Anfang des Jahres Kretschmer geboten hatte (1,1 Millionen Euro). Allerdings liegt der Preis auch deutlich über den umgerechnet 190.000 Euro, die Kretschmer 2001 zahlte.
Warum gehörte das Haus überhaupt einem Privatmann?
Vor gut zehn Jahren wollte der SPD-Senat die Rote Flora loswerden, da sich der Konflikt um das autonome Zentrum zum Wahlkampfthema entwickelte.

Und warum nun der Rückkauf?
War er vor 13 Jahren noch eine Lösung, so entwickelte sich Kretschmer zuletzt zum Problem für den Senat. Mit Verkaufsgerüchten und Plänen für ein großes Veranstaltungszentrum auf dem Rote Flora-Gelände stachelte er die linke Szene zu Protesten an, Höhepunkt war die aus dem Ruder gelaufene Demonstration für den Flora-Erhalt im Dezember 2013. Kretschmers Zahlungsunfähigkeit war nun eine Art glück-licher Zufall. Und mit der Lawaetz-Stiftung schafft sich die Stadt einen Prellbock: Gibt es wieder Ärger um die Rote Flora, steht der jeweilige Senat nicht direkt in der Schusslinie und der politischen Verantwortung.

Was hat der neue Eigentümer nun vor?

Vorerst nichts. „Die Stiftung kann gut damit leben, wenn die ,Floristen’ ohne Gespräche den Betrieb eigenverantwortlich weiter selbst gestalten, ist aber auch für Gespräche mit den ,Floristen’ offen, wenn es andere Nutzungsideen gibt. Wir freuen uns auf eine lösungsorientierte Zusammenarbeit“, heißt es vom Vorstand.

Was sagen die Rote Flora-Nutzer?
Vorerst nichts. Die Besetzer wollen sich diese Woche im Plenum beraten.

Lawaetz-Stiftung


Die gemeinnützige Lawaetz-Stiftung ist eine Art alternativer Sanierungsträger und Immobilienverwalter. Sie ist erfahren im Umgang mit sozialen Wohnprojekten und Initiativen in Hamburg.
Grundsatz der Arbeit ist, einvernehmliche Lösungen unter den beteiligten Gruppen zu finden. Anfang der 90er Jahre übernahm die Stiftung zum Beispiel einen Teil der Falkenried-Terrassen in Hoheluft, um sie Schritt für Schritt an eine Mieterselbstverwaltung weiter zu geben.
Die Stiftung wurde 1986 von der Stadt Hamburg gegründet, um in sozialen Konflikten zwischen Politik und Projekten vor Ort zu vermitteln.
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1 Kommentar
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Uwe Schuster aus Altona | 10.11.2014 | 14:55  
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