Rot-Grün drückt Kürzungen durch

Es wird einsamer auf dem Bauspielplatz: Freie Jugendeinrichtungen bekommen ab 2013 weniger Geld für ihre bisherigen Angebote. (Foto: Funke-Wellstein / pixelio.de)

Offene Kinder- und Jugendarbeit: In Eimsbüttel werden 203.000 Euro gestrichen

Eimsbüttels rot-grüne Koalition hat Kürzungen in der offenen Kinder- und Jugendarbeit zugestimmt. Zugleich sollen die Einrichtungen aber Geld aus anderen Töpfen bekommen.
Bauspielplätze, Musikprojekte und Jugendhäuser in den Stadtteilen erhalten ab 2013 insgesamt 203.000 Euro weniger für die offene Kinder- und Jugendarbeit (siehe Kasten). Stellen müssen gestrichen werden, Öffnungszeiten und Angebote werden voraussichtlich eingeschränkt. Hintergrund: Hamburgweit kürzt die Sozialbehörde in diesem Bereich um zehn Prozent – weil angesichts der vielen Ganztagsschulen bestimmte Angebote nicht mehr gebraucht würden, so das Argument. Für die einzelnen Einrichtungen – freie Träger genannt – gibt es zwischen 4.000 und 40.000 Euro weniger pro Jahr. Diese Löcher werden zum Teil wieder gestopft. Die Träger bekommen Geld für neue Aufgaben, müssen aber auch etwas anderes anbieten als bisher.
Ein Beispiel: In der Lenzsiedlung werden 35.000 Euro gestrichen. Ein Musikprojekt steht vor dem Aus, Öffnungszeiten und Angebote im Jugendhaus werden eingeschränkt. 55.000 Euro sind hingegen neu eingeplant. Dieses Geld wird für sogenannte sozialräumliche Hilfen und Angebote (SHA) bewilligt. Dahinter stecken im Wesentlichen verschiedene Beratungen für Jugendliche und Familien. Für ein weiteres neues Projekt sollen 150.000 Euro ausgegeben werden.
Die Eimsbütteler SPD-Fraktion und das Jugendamt verkaufen die zusätzlichen Mittel als Erfolg. Trotz Kürzungen bekämen die Träger mehr Geld. Stimmt im Prinzip, aber nicht für alle. Manche Einrichtungen haben trotzdem weniger zur Verfügung, und werden fortan stärker kontrolliert. „Das ist eine politische Richtungsänderung“, kommentiert Ralf Helling vom Verein Lenzsiedlung.
Nachdem CDU, Linke und freie Träger im Jugendhilfeausschuss die Kürzungen abgelehnt hatten, legte Bezirksamtsleiter Torsten Sevecke (SPD) das Paket der Bezirksversammlung zur Abstimmung vor. Dort beschloss dann die rot-grüne Mehrheit die Vorlage.
Über die zusätzlichen SHA-Gelder kann das Bezirksparlament nicht entscheiden, das ist allein Sache der Sozialbehörde.


Wer hat mehr, wer weniger?


Im Bezirk Eimsbüttel werden ab 2013 insgesamt 203.000 Euro bei freien Trägern der Kinder- und Jugendarbeit gekürzt. Voraussichtlich muss keine Einrichtung schließen – das ist ein Unterschied zu anderen Bezirken. Laut Jugendamt sollen die freien Träger sogar mehr Geld erhalten. So würden ab 2013 insgesamt 435.545 Euro für sozialräumliche Hilfen und Angebote (SHA) zur Verfügung stehen. Das ist freilich etwas anderes als die bisherigen Angebote der Bauspielplätze und Jugendtreffs.
Zudem gibt es von Einrichtung zu Einrichtung Unterschiede: Die Plakatwerkstatt in Lokstedt zum Beispiel erhält 22.000 Euro weniger (von bisher 91.000 Euro) pro Jahr – und bekommt keine SHA-Gelder. Beim Abenteuerspielplatz (ASP) Wegenkamp werden 26.000 Euro gestrichen (von vorher 171.700 Euro), es soll aber 85.545 Euro SHA-Mittel ab 2013 geben.

Die Übersicht (Quelle: Jugendamt Eimsbüttel)


Abenteuerspielplatz (ASP) Eimsbüttel Nord/Stadtteilladen
Mittel 2012: 118.500 Euro
Kürzung ab 2013: - 40.000 Euro
SHA-Mittel ab 2013: 30.000 Euro

Jugendberatungszentrum Apostelkirche
Mittel 2012: 117.000 Euro
Kürzung ab 2013: - 22.000 Euro
Notfonds (nur 2013): 22.000 Euro
SHA-Mittel ab 2013: 33.000 Euro

Lenzsiedlung - Musikprojekt
Mittel 2012: 13.000 Euro
Kürzung ab 2013: - 13.000 Euro (damit gestrichen)

Lenzsiedlung – Jugendarbeit

Mittel 2012: 224.000 Euro
Kürzung ab 2013: - 22.000 Euro
Notfonds (nur 2013): keine Mittel
SHA-Mittel ab 2013: 55.000 Euro (150.000 Euro für neues Projekt, geplant)

ASP Linse
Mittel 2012: 165.000 Euro
Kürzung ab 2013: - 25.000 Euro
Notfonds (nur 2013): 12.500 Euro
SHA-Mittel ab 2013: 12.000 Euro

ASP Wegenkamp

Mittel 2012: 171.700 Euro
Kürzung ab 2013: - 26.000 Euro
Notfonds (nur 2013): keine Mittel
SHA-Mittel ab 2013: 85.545 Euro

Jugendsozialarbeit Apostelkirche (Plakatwerkstatt)
Mittel 2012: 91.000 Euro
Kürzung ab 2013: - 22.000 Euro
Notfonds (nur 2013): 12.000 Euro
SHA-Mittel ab 2013: keine Mittel
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3 Kommentare
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Bernhard Kaiser aus Eimsbüttel | 19.12.2012 | 15:25  
Carsten Vitt aus Eimsbüttel | 19.12.2012 | 23:09  
236
Fran Kee aus Eimsbüttel | 23.12.2012 | 19:33  
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