Ringen um das Theater N.N.

„Da muss was Lebiges hinein!“ – Inszenierung nach Theodor Storm am Theater N.N.: Der Eimsbütteler Privatbühne doht das Aus, bis Ende April wird noch gespielt. (Foto: Arash Beigi Khusani)

Förderung gestrichen: Kritik an der Kulturbehörde – Bezirkspolitik hält sich bedeckt

Protestaktion in Eimsbüttel: Kultursenatorin Barbara Kisseler kommt, guckt und schließt. Sie nagelt den Eingang des Theater N.N. am Hellkamp zu, Buhrufe schallen ihr entgegen. Das war eine Inszenierung, ein Schauspieler gab sich als Kultursenatorin aus. Aber mit der Schließung ist es Ernst: In Eimsbüttels kleiner Privatbühne fällt voraussichtlich Ende April der letzte Vorhang. Weil die Kulturbehörde die jährliche Förderung von 30.000 Euro einstellt, sieht das Team keine Chance mehr, weiterzumachen.
Der Förderverein des N.N. und freie Theatermacher kritisieren vor allem das starre Festhalten an Zahlen. Private Bühnen müssen durchschnittlich zu 50 Prozent ausgelastet sein, um Zuschüsse zu erhalten. Das N.N. erreichte 46 Prozent – insgesamt 2.295 Besucher kamen in der letzten Spielzeit in den Hellkamp. Bei 50 Plätzen fehlten durchschnittlich zwei Zuschauer pro Vorstellung, um die Quote zu erreichen, rechnet Rainer Zwanzleitner vom Förderverein vor. „Welch eine Zahl!“
Unfair empfinden die Macher, dass die regelmäßig ausverkauften Vorstellungen des N.N. im Römischen Garten in Blankenese (1.200 Zuschauer) von der Kulturbehörde nicht mitgezählt werden. „Diese Außenspielstätten müssen selbstverständlich mit rein in die Bilanz“, fordert Matthias Schulze-Kraft von Hamburg Off, dem Verband der freien Theater. Zudem müsste berücksichtigt werden, wie viele freie Schauspieler oder Ensembles auf Bühnen wie dem N.N. spielen können. „Es ist schwierig, an so einem Standort ein Theater zu betreiben. Man muss sehr dicke Bretter bohren, um bekannt zu werden“, so Schulze-Kraft. Wenn kulturpolitisch Vielfalt gewollt sei, müsse die Stadt kleinere Theater auch so ausstatten, dass sie bestehen können. Der Förderverein erwartet nun von der Kulturbehörde „kreative Schritte“, um das Theater N.N. zu erhalten.
Enno Isermann, Sprecher der Kulturbehörde: „Das Theater wurde im Juni 2012 erstmals schriftlich informiert, dass die Förderung gefährdet ist, wenn die Förderkriterien auch weiterhin nicht erfüllt werden.“ Zudem sei auf mögliche Projektförderungen hingewiesen worden, die das N.N. aber nicht in Anspruch genommen habe. Die Behörde stehe aber auch weiterhin für Gespräche zur Verfügung.

Frage an die Politik: Soll der Bezirk das Theater fördern?


„Ja, aber nur, wenn die politischen Proteste gegen Senatorin Kisseler ohne Erfolg bleiben und die Streichung nicht rückgängig gemacht wird. Für die Bezirksversammlung Eimsbüttel wäre es eine Blamage, wenn das Theater N.N. als einziges Off-Theater in Eimsbüttel einginge, ohne dass die Bezirkspolitik nicht alles für eine Rettung unternommen hätte.“ Hartmut Obens (Die Linke)

„Die kulturelle Vielfalt im Bezirk liegt uns am Herzen. Wenn eine Unterstützung des Theaters aus bezirklichen Sondermitteln an dieser Stelle hilft, ist die CDU-Fraktion mit an Bord.“ Carsten Ovens (CDU)

„Wir sind nach wie vor sehr daran interessiert, den Theaterstandort zu erhalten. Allerdings muss auch beachtet werden, wie effizient dieses Theater für den Stadtteil arbeitet. Da scheint mir doch Verbesserungsbedarf zu bestehen, eventuell müssen auch Konzepte verändert werden. Es ist mir zu wenig, einfach nur Bezirkssondermittel zu fordern!“ Roland Seidlitz (Grüne)

„Natürlich wollen wir nicht, dass das Theater schließen muss. Es müssen aber Wege gefunden werden, wie eine Erhaltung dauerhaft zu realisieren ist – eventuell über Kooperationen mit anderen Institutionen.“ Mechthild Führbaum (SPD)

Von der FDP Eimsbüttel lag bis Redaktionsschluss keine Antwort vor.
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