Rellinger Straße: Kampf um den Schulhof

Noch ist genügend Platz zum Spielen, Klettern und Bewegen, doch Teile des Pausenhofs der Schule Rellinger Straße sollen verkauft werden, um dort Wohnungen zu bauen. (Foto: Gunnar Geller)

Wohnungsbau auf Schulgeländen: In Eimsbüttel gibt es Protest

Die Stadt sucht emsig nach Flächen für den Wohnungsbau. Nun sind Schulgelände dran: Teile von Pausenhöfen sollen offenbar verkauft werden, um dort Miethäuser oder Eigentumswohnungen hochzuziehen. Eines der ersten Opfer könnte die Schule Rellinger Straße werden.
An der Eimsbütteler Reformschule sind Bauarbeiten geplant: Die marode Turnhalle soll durch einen Neubau ersetzt werden, zudem sind zusätzliche Räume für den Ganztagsbetrieb nötig. Diese Gelegenheit haben die Planer offenbar genutzt, um das Schulgelände gleich ganz neu zu sortieren: Ein Teil des Schulhofs, hin zur Kieler Straße, ist als mögliche Fläche für Wohnungsbau vorgesehen. Die Ecke soll verkauft werden. Die Finanzbehörde, zuständig für die Schulgrundstücke, bestätigt diese Möglichkeit: „Es ist korrekt, dass bei einer Neustrukturierung der Schulfläche und nach einem möglichen Teilverkauf ein Potenzial für bis zu
70 Wohneinheiten identifiziert worden ist“, sagt Sprecher Daniel Stricker. Eine Entscheidung sei aber noch nicht gefallen.
Hintergrund der Pläne sind neue Richtlinien der Behörde. Demnach wird jedem Schüler auf dem Schulhof eine bestimmte Fläche zugestanden. So ergibt sich eine Normgröße. Hat eine Schule mehr, gilt die Fläche offenbar als verzichtbar.
Der Elternrat der „Relli“ kritisiert die Pläne: „Hier werden die Bedürfnisse von Kindern mit Füßen getreten. Wo bleibt der Raum für Ganztag, Inklusion, moderne Pädagogik? Eine Politik, die sich nur an Zahlen und Quadratmetern orientiert und dabei den Blick auf die Menschen verliert, ist kinder- und bildungsfeindlich“, sagt Elternratsvorsitzende Tanja Pott.
Schüler und Elternschaft planen Proteste und sammeln im Stadtteil Unterschriften gegen die Verkaufspläne. Die Schulbehörde preist derweil die Planungen an, „eine schöne Schule mit einer großzügigen, zusammenhängenden Schulhoffläche“ zu schaffen. Die Varianten sollen noch vor den Sommerferien vorgestellt werden. „Ein großer Schulhof mit über 2.500 Quadratmetern Fläche bleibt auf jeden Fall erhalten“, so Behördensprecher Peter Albrecht.


Weitere Verkäufe?


Die Rellinger Straße ist nicht die einzige Schule, bei der es Begehrlichkeiten gibt. Auch die Oberstufengebäude der Stadtteilschule Stellingen am Sportplatzring stehen auf der Wunschliste für Wohnungsbau. Wo gibt es noch viel Platz? Das 2012 neu eröffnete Gymnasium Hoheluft hat ein riesiges Gelände mit viel Grün, die Handelsschule Weidenstieg (zwischen Telemannstraße und Heußweg) zieht in den nächsten Jahren weg. Ob auch diese Schulgelände - teilweise oder komplett - verkauft werden, ist unklar. Die Finanzbehörde nennt solche Überlegungen derzeit „hypothetisch“. Aber wer hätte schon damit gerechnet, dass an der Rellinger Straße Flächen verkauft werden?

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