Rekord-Streik bei Neupack beendet - und nun?

Acht Monate lang streikten Neupack-Mitarbeiter vor dem Werkstor in Stellingen, auch bei klirrender Kälte. Nun ist der Streik offiziell beendet worden. Betriebsrat und Gewerkschaft müssen aber wachsam sein, ob die erzielte Einigung auch eingehalten wird.

Gewerkschaft, Betriebsrat und Geschäftsführung einigten sich

Es hakte immer wieder an Details, nun haben sich Gewerkschaft, Betriebsrat und Geschäftsführung des Stellinger Unternehmens Neupack aber offenbar endgültig geeinigt. Der seit 1. November 2012 andauernde Streik für bessere Arbeitsbedingungen ist offiziell beendet worden.
Mehr Geld für nahezu alle Beschäftigten, eine 38-Stunden-Woche, genaue Beschreibungen von Tätigkeiten: Auf diese Details hatten sich die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie und Energie (IG BCE), der Betriebsrat und das Unternehmen bereits Anfang Juli geeinigt. Doch dann platzte der Kompromiss, der eigentlich Anfang August in Kraft treten sollte. Neupack wollte 57 während des Streiks eingestellte polnische Leiharbeiter weiter beschäftigen. Der Betriebsrat befürchtete, dass dadurch Teile der Stammbelegschaft – als Strafe für den Streik – vor die Tür gesetzt werden.
Dieser Streitpunkt wurde nun beiseite geräumt, so die IG BCE. Die Verträge der Leiharbeiter liefen nur zum Teil bis ins erste Quartal 2014, manche endeten bereits früher, heißt es. Diese Kräfte würden derzeit laut Neupack benötigt. „Sollte das nicht mehr der Fall sein, findet bei möglichen betriebsbedingten Kündigungen die vorgeschriebene Sozialauswahl statt, die sich unter anderem nach der Dauer der bisherigen Beschäftigung richtet und bei der damit die Stammbelegschaft privilegiert ist“, so Streikleiter Ralf Becker. Soll heißen: Müssen doch Mitarbeiter gehen, würde das voraussichtlich erst die neu eingestellten treffen, langjährige Beschäftigte seien besser vor Kündigungen geschützt.
Ursprünglich kämpften die Neupack-Beschäftigten für einen Tarifvertrag im Unternehmen. Nun werden die neuen Arbeitsarrangements wie zuvor in Einzelverträgen mit Mitarbeitern festgeschrieben. „Was wir wollten, haben wir nicht erreicht. Aber es ist besser als vorher“, bilanzierte Betriebsrat Murat Günes.
Ihre jahrelange Erfahrung mit Neupack und die Streikmonate haben sie gelehrt: Bei jedem Schritt der Unternehmensführung müssen sie genau hinschauen – auch in den nächsten Monaten.
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