Radstation Grindel: 20 Stellen weg

Kürzungen: Ein-Euro-Jobber Felix L. (37) muss sich demnächst nach einer neuen Beschäftigung umsehen. Foto: cvs

Ein-Euro-Kräfte müssen gehen – Rad-Werkstatt auf dem Uni-Campus schränkt Angebot deutlich ein

Von Christopher von Savigny, Grindel – Eigentlich ist Felix L.* Diplombiologe. Aber anstatt Kulturen im Reagenzglas zu züchten oder Pflanzen zu bestimmen, schraubt der 37-Jährige in der Werkstatt der Fahrradstation auf dem Campus der Universität an kaputten Drahteseln herum. „Nach meinem Uniabschluss habe ich erstmal keinen Job gefunden“, erklärt er. „Inzwischen ist es zu spät, um da noch rein zu kommen.“ In der Fahrradstation arbeitet der junge Mann als Ein-Euro-Jobber. „Ich habe schnell gemerkt, dass das genau das Richtige für mich ist. Handwerkliche Dinge machen mir einfach Spaß!“
Damit dürfte allerdings bald Schluss sein: Zum Jahresende muss die Fahrradstation alle ihre 20 Ein-Euro-Kräfte entlassen. Hintergrund ist eine Stellenstreichung der Hamburger „Arbeitsgelegenheiten“ – so der offizielle Begriff – von 6.500 (für 2011) auf 3.900 (für 2012). Zuvor waren die Bundesmittel für Ein-Euro-Jobs ebenfalls drastisch gekürzt worden – von 187 auf 134 Millionen Euro für nächstes Jahr.
Dies bedeutet, dass die Einrichtung an der Schlüterstraße ab Januar mit nur zwei festangestellten Lehrlingen auskommen muss. Konsequenz: Die Öffnungszeiten werden eingeschränkt, das Leihradangebot verkleinert, und die Selbsthilfewerkstatt wird praktisch kein Personal mehr haben. Zweiradmechanikermeister Thorsten Rusche, der die Station vor sieben Jahren mit aufgebaut hat, findet das traurig: „Wir bieten hier ein optimales Trainingsfeld für Leute, die den Anschluss an den Arbeitsalltag verloren haben“, sagt er. Eingesetzt werden die Ein-Euro-Jobber bei der Betreuung des zugehörigen Fahrradparkhauses und in der Selbsthilfewerkstatt, in der man seinen Drahtesel gegen eine kleine Spende auf Vordermann bringen kann. Zusätzlich erhalten die 20 Helfer regelmäßig Fortbildungen.
Beim Beschäftigungsträger, der einfal GmbH, sorgt man sich ebenfalls um die Entwi-cklung der Arbeitsgelegenheiten in der Hansestadt: „Vielleicht können wir für 2013 neue Plätze beantragen“, sagt Projektkoordinatorin Grietje Bergmeyer. „Aber bis dahin müssen wir erstmal durchhalten.“
* Name der Redaktion bekannt
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Hartmut Obens aus Eimsbüttel | 22.11.2011 | 14:52  
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