Rabiate Vermieter rissen einfach die Treppe ab

Blick in den Hinterhof: Die Vermieter haben eine Nottreppe an der Außenmauer des Hauses angebracht, nachdem sie die Treppe in den zweiten Stock abgerissen hatten. (Foto: rs)

Menschen vor Gericht: Wie Johannes und Jerry P. eine Mieterin am Eppendorfer Weg vertreiben wollten

Von Reinhard Schwarz, Eimsbüttel – Da platzte selbst dem geduldigen Richter der Kragen: „Ich kann mich nicht erinnern, je so einen uneinsichtigen Angeklagten gesehen zu haben! Ich bin fassungslos!“ Bei dem Angeklagten handelt es sich um den aus Holland stammenden Johannes P. (60). Zusammen mit seinem ebenfalls angeklagten Sohn Jerry (31) soll er am 11. August 2011 eine Treppe zum zweiten Stock eines Wohnhauses im Eppendorfer Weg abgerissen haben, obwohl die Mieterin noch in der Wohnung lebte.
Die Mieterin erinnert sich immer noch genau an diesen Tag. Sie hatte sich etwas zu essen gemacht, im Fernsehen einen Film geguckt und dann Baugeräusche gehört. „Das war aber nicht ungewöhnlich, weil dort seit längerer Zeit gearbeitet wurde“, sagte sie. Schließlich hatte sie doch die Tür geöffnet und gesehen, dass die Treppe zu ihrer Wohnung schon zum Teil abgerissen war: „Ich habe Jerry mit der Motorsäge in der Hand gesehen.“ Die 39-Jährige ruft sofort die Polizei. Die Treppensäger flüchten. Später erklären sie, der Mieterin aus Eigenbedarf gekündigt zu haben. Jerry P. sei 2011 Vater geworden und habe die Wohnung für seine Familie benötigt.
Vor Gericht schalten Vater und Sohn auf Durchzug. Während Sohn Jerry beharrlich schweigt, erklärt Vater Johannes: „Ich habe gedacht, die wäre schon ausgezogen.“ Dabei verwickelt er sich in Widersprüche. Man habe schließlich an der Tür der Mieterin geklopft, um sich zu vergewissern, dass sie auch wirklich ausgezogen sei. Der Richter hakt an dieser Stelle nach: „Warum haben Sie denn überhaupt geklopft?“ Der Angeklagte schweigt dazu, gibt sich pampig: „Ich habe sie ja
nie gesehen. Hätte ich eine Ver-
misstenanzeige stellen sollen?“
Angesichts der Gleichgültigkeit und fehlenden Reue der Angeklagten droht der Richter mit Haftstrafe. Das scheint zu wirken. Nach Beratung mit den Anwälten gesteht Sohn Jerry: „Es war tatsächlich so, dass Druck auf die Mieterin ausgeübt werden sollte.“ Selbst der Vater entschuldigt sich nun für seine Tat.
Das Urteil: Wegen Nötigung werden die Angeklagten zu Geldstrafen auf Bewährung verurteilt, und sie müssen je 2.640 Euro an die Mieterin zahlen.
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