Protest für den Schanzenhof

Protestbanner im Schanzenhof. (Foto: pr)
Hamburg: Schanzenhof |

Kündigungen: Unterstützer machen sich für geschasste Mieter stark

Alte Mieter raus, Preise hoch, neue Mieter rein: Gegen diese Trends protestieren Bewohner im Schanzenviertel – der Fall Schanzenhof.

Was ist los?
Maximilian und Moritz Schommartz, Besitzer des Gewerbe- und Kulturkomplexes zwischen Bartels- und Schanzenstraße, haben von Künstlern, Musikern und Gewerbetreibenden bis zu 40 Prozent mehr Miete verlangt. Das können die teilweise seit 25 Jahren im Hof ansässigen Mieter nicht bezahlen. Sie müssen raus. Im Viertel sehen das viele Menschen als Verdrängung.

Wie kam es dazu?
Der ehemalige Sitz des Unternehmens Montblanc wurde vor 25 Jahren von der Stadt gekauft, saniert und Kulturschaffenden sowie alternativen Projekten zu günstigen Preisen vermietet. Zu den Mietern der ersten Stunde gehören das Kino 3001, das Bio-Hotel und Restaurant Schanzenstern, die Drogenberatungsstelle Palette sowie etliche Künstler. 2006 wurde der Komplex unter der damaligen CDU-Regierung zum Höchstpreis verkauft. Danach wurde die Immobilie zweimal weitergereicht, jeweils mit satten Verkaufsgewinnen für die privaten Eigentümer. Seit 2013 gehört der Schanzenhof den Schommartz-Brüdern.

Worum geht der Streit?
Unterstützer fordern die Rücknahme der Mieterhöhungen – und, dass die Stadt das Gebäude zurückkauft, um günstige Mieten zu garantieren. Zudem beklagen Mieter, dass die Eigentümer sich kaum um nötige Reparaturen kümmern. Es gibt zum Beispiel einen 35 Jahre alten Heizkessel, für den kaum noch Ersatzteile zu bekommen seien. Immer wieder falle die Anlage ganz aus. Die Hausverwaltung widerspricht in diesem Punkt, sagt aber zu, dass das Uraltgerät demnächst ausgetauscht werden soll.

Wollen die Eigentümer mit der Immobilie spekulieren?
Die Gebrüder Schommartz widersprechen, sie lassen über den Hausverwalter ausrichten: „Ein Verkauf der Gebäude in näherer Zukunft ist ausgeschlossen. Die Vermieter wollen nicht mit dem Grundstück spekulieren, sondern die Gebäude langfristig im Privatbesitz behalten.“
Der Hausverwaltung sei „für Renovierungs- und Aufwertungsmaßnahmen ein siebenstelliger Betrag freigegeben“ worden.

Was wird aus dem Kino 3001?

Das Programmkino 3001 genießt bisher noch Schutz, da ein alter Mietvertrag starke Erhöhungen ausschließt. Aber es stehen neue Verhandlungen an. „Die Vermieter haben stets betont, dass das Kino langfristig erhalten bleiben soll. Bevor an eine Verlängerung des Mietvertrags gedacht werden kann, muss nun allerdings geklärt werden, wie mit der üblen Nachrede und den schriftlichen Beleidigungen gegenüber den Vermietern im Namen eines Kino-Gesellschafters umgegangen wird." Mitgesellschafter Jens Meyer hat im Namen des Nutzervereins Schanzenhof immer wieder das Vorgehen der Besitzer kritisiert. Beim Hoffest neulich prangten Sprüche wie „Immobilienhaie zu Fischmehl“ oder „Hände weg vom Schanzenhof“ auf Transparenten und Plakaten. Die Hausverwaltung schickte Mitarbeiter vorbei, um diese entfernen zu lassen.
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1 Kommentar
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Jens Natter aus Eimsbüttel | 19.11.2015 | 20:45  
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