„Pflegeeltern sind sehr aufgeschreckt“

Hamburg wirbt mit einem Faltblatt von 2007 für Pflegeeltern. Eine Neuauflage mit den neuen Regeln steht noch aus. Foto: sg
Hamburg: Bezirksamt Eimsbüttel |

Nach Chantals Tod: neue Regeln und Aktenprüfung

von Sverre Gutschmidt

Ihr Tod hat ganz Hamburg erschüttert: Mit elf Jahren musste das Pflegekind Chantel in Wilhelmsburg sterben. Chantal starb, weil sie den Drogenersatzstoff Methadon in der Wohnung ihrer drogensüchtigen Pflegeltern getrunken hatte. Ihr Tod veranlasst Hamburgs Politik und Verwaltung, die Regeln für Pflegeeltern zu verschärfen.
„Die Zahl der Pflegekinder im Gesamtbezirk Eimsbüttel beträgt 144. In allen diesen Fällen gibt es jetzt noch einmal eine Aktenprüfung, das ist in allen Bezirken so“, sagt der Sprecher des Bezirksamts Eimsbüttel, Stephan Glunz.
Hamburgs Sozialbehörde ist federführend bei den neuen Maßnahmen. Diese sollen verhindern, dass erneut ein Kind in eine Pflegefamilie kommt, die drogenabhängig oder vorbestraft ist – wie dies bei Chantals Pflegevater der Fall war.
Mögliche Pflegeeltern müssen ab sofort ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis vorlegen. Zudem prüfen die Behörden mögliche Suchterkrankungen. Wer bereits ein Kind pflegt, braucht kein Gesundheitszeugnis oder einen allgemeinen Drogentest vorzuweisen.
Pflegeeltern in Eidelstedt sind dennoch „sehr aufgeschreckt“, sagt Thorsten Rebbe vom SOS-Hilfeverbund Hamburg. Als freier Träger wirkt die Organisation mit Jugendämtern bei der Betreuung zusammen. „Wir sind bei den Prüfungen mitten drin“, sagt der Hilfeverbunds-Leiter. Er fügt hinzu: „Die Gesundheitsprüfungen sind nötig, sie tragen aber nicht zum Vertrauensverhältnis bei.“
Ergebnisse stehen noch nicht fest, doch werden sich die Behörden nach Durchsicht der Akten bei konkreten Hinweisen auf eine mögliche Gefährdung des Kindes an Pflegeeltern wenden. Sozialsenator Detlef Scheele (SPD) will Pflegeeltern nicht unter Generalverdacht stellen: Er bittet alle Hamburger Pflegeeltern, die hervorragende Arbeit leisten, um Verständnis für die getroffenen Maßnahmen..
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