Pflegeeltern fühlen sich wie am Pranger

Ein sicheres Zuhause wünschen sich alle Kinder. Für einige garantiert es eine Pflegefamilie. (Foto: Heike Berse / pixelio.de)

Untersuchungen des Bezirksamts Eimsbüttel zeigen hingegen: Bei den meisten Pflegefamilien ist alles in Ordnung

Von Jan Paulo, Eimsbüttel – Seit dem Tod von Chantal in Wilhelmsburg können sich Pflegeeltern kaum noch auf die Straße trauen“, beschwerte sich Patrick Mätzold auf der jüngsten Sitzung des Jugendhilfeausschusses der Bezirksversammlung Eimsbüttel. Gemeinsam mit seiner Frau betreut er ein Pflegekind auf Zeit. „In der Öffentlichkeit werden wir nun als Asoziale dargestellt, die das Pflegegeld für Alkohol und Zigaretten verpulvern.“
Seine Frage an die Kommunalpolitiker und Jugendamtsvertreter war deutlich: „Wie wollen Sie denn jetzt noch Familien finden, die bereit sind, ein Pflegekind bei sich aufzunehmen?“ Holger Requardt, Leiter des Fachamtes Jugend- und Familienhilfe, zeigte Verständnis. „Wir haben letztlich keinen Einfluss auf die Medienberichte. Sie sind eine Katastrophe für das erfolgreiche und gute Konzept der Pflegefamilien.“
Mehr Sachlichkeit in der Debatte erhoffte er sich von der Prüfung der Akten zu allen 149 Pflegefamilien im Bezirk Eimsbüttel, die nun abgeschlossen ist. Im Ergebnis waren in acht Fällen weitere Nachforschungen nötig. In einem einzigen Fall wurde ein Kind nach fortgesetzten lauten Ehestreitigkeiten der Pflegeelten zurück zur leiblichen Mutter gegeben, die mittlerweile wieder für ihr Kind sorgen konnte.
In einem anderen Fall wurde ein Fleck auf der weißen Weste einer pflegenden Großmutter festgestellt: „Gefangenenbefreiung“ lautet der strafrechtliche Vorwurf aus dem Jahr 2005. Tatsächlich hatte sie versucht, ihre Tochter, die in eine Schlägerei geraten war, vor dem Zugriff der Polizei zu beschützen. „So eine Oma wünscht sich doch jeder“, lachte der Ausschussvorsitzende Hans-Dieter Ewe (SPD).
Etwas ernster wurde es bei einer Pflegemutter, deren neuer Partner wegen Drogendelikten vorbestraft ist. „Aber die Familie hat sich von sich aus deswegen bei uns gemeldet, und der Mann ist seit Jahren nachweislich konsumfrei“, so Requardt. Dennoch wurde nun ein weiterer Drogentest veranlasst. Requardt: „Bis das Ergebnis vorliegt, werden wir einige unangemeldete Hausbesuche durchführen.“
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7 Kommentare
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Familien Initiative aus Altona | 04.04.2012 | 21:49  
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Pflegefamilie Niendorf aus Eimsbüttel | 24.04.2012 | 16:23  
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Familien Initiative aus Altona | 26.04.2012 | 23:25  
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Pflegefamilie Niendorf aus Eimsbüttel | 27.04.2012 | 19:16  
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Familien Initiative aus Altona | 29.04.2012 | 23:03  
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Pflegefamilie Niendorf aus Eimsbüttel | 30.04.2012 | 07:15  
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Familien Initiative aus Altona | 30.04.2012 | 22:46  
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