Paternoster kaputt

Abgesperrt: Der Paternoster im Grindelberg 66 ist außer Betrieb. Ein Arbeiter stieg mit einer Leiter ein, dann krachte es. Drei Kabinen sind kaputt. Wie lange die Reparatur dauert, ist unklar. Foto: cv
  Hamburg: Bezirksamt Eimsbüttel |

Der urige Aufzug im Bezirksamt Eimsbüttel steht seit Mitte Dezember still

Fahrkorb Nummer 12 hängt eigenwillig schief im Schacht. Auf dem Boden der Aufzugskabine liegen Holzsplitter, in der Decke klafft ein Loch. Hier geht grad nichts mehr rauf und runter im Bezirksamt Eimsbüttel: Der Paternoster ist kaputt. Seit Mitte Dezember steht der eigenwillige Aufzug im Grindelberg 66 still.
Ein Arbeiter ist mit einer Leiter in eine Kabine des Aufzugs gestiegen. Diese verkantete sich. Es krachte laut. Drei Kabinen sind beschädigt. Glück für den Handwerker: Er hat nichts abbekommen. Pech für ihn:Das Einsteigen mit einer Leiter ist nicht erlaubt. Das könnte teuer werden.
Stephan Glunz, Sprecher des Bezirksamts, hofft derweil, dass nicht noch wichtige Teile des Aufzugs kaputt sind. „Wenn die Zugkette etwas abbekommen hat, kann es lange mit der Reparatur dauern.“
Wer in die oberen Etagen des zwölfstöckigen Grindelhochhauses will, muss derzeit ein bisschen Geduld oder eine gute Kondition mitbringen. Im Gebäude Grindelberg 66 gibt es zwar noch den regulären Lift. Aber wenn viele Besucher nach oben wollen, dauert es mitunter, bis man am gewünschten Stockwerk angekommen ist, mit vielen Stopps dazwischen. Ansonsten geht es über das Treppenhaus aufwärts (Eingang über die Nummer 64). Bis zu zwölf Stockwerke – sportlicher Aufstieg. So mancher Mitarbeiter des Bezirksamts war da schon außer Puste.
Wie hoch der Schaden ist und wie lange die Reparatur dauert, ist derzeit unklar. Eine Anfrage des Elbe Wochenblatts bei der Sprinkenhof AG, dem zuständigen Gebäudemanagement, blieb unbeantwortet. Glunz befürchtet, dass es noch ein paar Wochen dauern könnte. „Für uns ist das ein Schlag ins Kontor. Der Paternoster muss dringend repariert werden – das haben wir den Verantwortlichen auch deutlich gemacht.“ Als der Fahrstuhl vor mehreren Jahren kaputt war, blieb er etwa drei Monate außer Betrieb.
Kleiner Trost: Wer derzeit das einzigartige Fahrgefühl in einem Paternoster erleben will, kann im Grindelberg 62 einsteigen. Da geht noch alles.

Was ist ein Paternoster?
Offiziell heißt der besondere Kabinenlift „Personen-Umlaufaufzug“, landläufig wird er Paternoster genannt. Das Prinzip: Kleine, vorn offene Kabinen sind an Transportketten aufgehängt und fahren endlos im Kreis herum. Der Einstieg in die Fahrkörbe ist in beide Richtungen möglich. Es rumpelt und poltert ein wenig in dem Teil, fühlt sich aber irgendwie gemütlich und urig an. Oben angekommen, wird die Kabine in den anderen Aufzugsschacht geschoben. Der Clou:Fahrgäste können drinbleiben, das ist ungefährlich. Es wird nur kurz dunkel.
Der Name kommt daher, dass die auf einer Kette aufgereihten Aufzugskörbe dem katholischen Rosenkranz ähneln. Dort steht eine dicke Kugel für das Vaterunser-Gebet (Pater noster). Bergleute nannten den Lift so, in Gruben wurde das Prinzip zuerst eingesetzt.
In Bürohäusern wurde die Technik etwa ab 1880 genutzt, besonders häufig in Hamburgs Kontorhäusern. Mitte der 1930er Jahre war etwa die Hälfte der Paternoster Deutschlands in der Hansestadt in Betrieb. Hier wurde der Aufzug auch als „Proletenbagger“ bezeichnet. Das geschlossene Aufzugsmodell hieß dagegen „Bonzenheber“ – die Klassengesellschaft lässt auf dem Weg nach oben grüßen.
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