Parkplätze statt Grün – Mieter überrumpelt

Der Garten ist für sie das Herz der Wohnanlage: Mieter und Nachbarn der Gärtnerstraße 28 kämpfen dafür, dass das Grün erhalten bleibt. Der Vermieter will dort Parkplätze bauen lassen.

Gärtnerstraße 28: Stiftung will Garten bebauen lassen – Bewohner wussten von nichts

Ein kleiner Garten, Treffpunkt für Bewohner, Erholungsfläche ein Stückchen abseits des Autolärms: Das ist etwas Seltenes im dicht bebauten Hoheluft. Die Mieter der Wohnanlage Gärtnerstraße 28 nennen das Grün vor ihrer Haustür daher ihre kleine Oase. Doch der Vermieter, die Friedrich und Dorothea Langbein-Stiftung, hält das für verzichtbar: Es sollen 34 Parkplätze auf dem schmalen Grünstreifen gebaut werden.
Knapp 30 Bewohner und Nachbarn des kleinen Wohn-blocks protestieren dagegen. Vier große Bäume sollen fallen, an ihnen hängen mahnend Zettel mit Trauerkreuzen. Bald könnte alles Grün vor dem Haus verschwunden sein.
Vorige Woche informierte die Stiftung die etwa 70 Mieter über die energetische Sanierung und den Ausbau der Dachgeschosse. Von den Parkplätzen und den Bäumen war keine Rede. Erst über Nachbarn und Nachfragen beim Bauamt erfuhren die Bewohner das ganze Ausmaß der geplanten Umbauten. Sie fühlen sich überrumpelt. „Ich empfinde das als einen bewussten Täuschungsakt“, sagt Mieterin Irene Margil. Eine Unterschriftenliste gegen die Fällungen ging an die Stiftung, Bewohner versuchten per Rechtsanwalt den Kahlschlag zu verhindern.
Der Vermieter ist offenbar zeitlich unter Druck: An sich ist es ab 28. Februar nicht mehr erlaubt, Bäume zu fällen. Olaf Rainer Rave vom Vorstand der Stiftung sagt aber, dass es eine Ausnahmeerlaubnis gebe, bis 15. März zu fällen. Das Bezirksamt Eimsbüttel bestätigte das bisher nicht. Rave kann die Aufregung nicht nachvollziehen. Da die Pläne nicht den Wohnraum der Mieter beträfen, habe er keine Veranlassung gesehen, extra über die Parkplätze und Bäume zu informieren.
„Wir bauen 13 neue Wohnungen im Dachgeschoss, dafür müssen Parkplätze geschaffen werden“, so der Vorstand. Laut Bauordnung sind für eine neue Wohnung 0,8 Stellplätze herzurichten, das wären in diesem Fall etwa zehn bis elf. Das Bauamt habe der Stiftung jedoch nahegelegt, mehr zu bauen, so Rave.


Nachtrag: Das sagt das Bezirksamt


Laut Bezirksamt hat der Eigentümer zwar eine Erlaubnis zum Fällen von vier größeren Bäumen, darf jetzt aber nicht mehr loslegen. Das Fällen ist nur bis zum 28. Februar erlaubt, eine Ausnahmegenehmigung bis Mitte März habe die Stiftung nicht.
Zudem sind laut Amt lediglich 15 weitere Parkplätze genehmigt, nicht aber 34.
Für den Dachgeschossausbau (13 Wohnungen) hätten acht Stellplätze geschaffen werden müssen.
 auf anderen WebseitenSenden
1 Kommentar
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.