Olympia-Nein: Sind die Bürger zu dumm?

Skizze des Olympischen Dorfs auf dem Kleinen Grasbrook: Aus der Traum. (Foto: Gärtner und Christ)
 
Ist mit der Meinung vieler Hamburger nicht einverstanden: Jürgen Mantell, langjähriger Bezirksamtsleiter und jetziger Präsident des Hamburger Sportbunds.

Nach gescheitertem Referendum: Sportbundchef Jürgen Mantell kritisiert Wähler und Volksabstimmungen

Große Freude bei den Gewinnern, Frust und Beschimpfungen bei den Verlierern: Das Nein der Bürger zur Hamburger Olympia-Bewerbung hat hitzige Diskussionen ausgelöst. Jürgen Mantell, Chef des Hamburger Sportbunds (HSB), präsentierte sich nach dem gescheiterten Referendum als schlechter Verlierer: Er warf Gegnern und Zweif-lern vor, sie hätten sich nicht informiert. „Diese Entscheidung hier war eine, die war nicht rational geprägt, sondern sie war aus dem Bauch geprägt, aus einer Antihaltung gegenüber allem, was der Staat macht, und das macht mich traurig“, sagte er in einem Interview mit dem Fernsehsender Hamburg1. Der langjährige ehemalige Bezirksamtsleiter von Eimsbüttel warf zudem die Frage auf, welchen Stellenwert Volksabstimmungen haben sollten.
Bemerkenswert: Der heutige HSB-Präsident ist aus jahrzehntelanger Tätigkeit in Hamburger Behörden Ärger mit Bürgern und Initiativen gewohnt. Er galt als gewiefter Taktierer, der aber stets gesprächsbereit war. Nun, da die Bürger den Olympia-Traum platzen ließen, zweifelte Mantell an der Urteilskraft der Wähler. Bei einem Ja zur Olympia-Bewerbung wäre sein Urteil vermutlich ganz anders ausgefallen.
In der aufwändigen Pro-Olympia-Kampagne wurden stets verbindende Werte wie Fairness und Miteinander im sportlichen Wettkampf beschworen. Der oberste Vertreter des Hamburger Sports verhält sich in der Stunde der Niederlage nun unfair und beschimpft das Publikum, das den Olympia-Anhängern nicht folgen wollte.
Ist Mantells Kritik an Volksabstimmungen gerechtfertigt? Gibt Mantell die Stimmung in den Vereinen wieder? Hilft das dem Sport in Hamburg nun weiter? Das Elbe Wochenblatt fragte nach bei Vertretern von Eimsbütteler Sportvereinen – hier einige persönliche Meinungen, die nicht stellvertretend für die jeweiligen Clubs stehen.

Frank Fechner (ETV)
„Ich persönlich finde es richtig, dass es ein Referendum gegeben hat. Deshalb ist es für mich auch keine Frage, dass das Ergebnis ernst zu nehmen ist, auch wenn es viele, auch mich und viele beim ETV, sehr enttäuscht. Die zitierten Äußerungen des HSB-Präsidenten sind am Abstimmungsabend bei Hamburg1 im Fernsehen gemacht und vom Abendblatt aufgegriffen und zitiert worden. Ich nehme das Jürgen Mantell nicht übel. Er ist einer der überzeugtesten Befürworter und Kämpfer für Olympia gewesen, bei ihm ist am Abend des Referendums die große Enttäuschung über das Ergebnis durchgebrochen. Schon am nächsten Tag hat er sich bei Herbert Schalthoff wesentlich differenzierter dazu geäußert.“

Michael Bastheim (HEBC)

„Herr Mantell hat sich in seinen Worten ziemlich vergriffen und führt sich tatsächlich wie ein schlechter Verlierer auf. Dafür wäre eine Entschuldigung an alle Hamburger fällig. Es gab gute Gründe dagegen zu stimmen, da viele Sachen nicht genau geklärt waren – zum Beispiel Kosten und Sicherheit. Für mich war es keine Bauchentscheidung, sondern eine Vernunftsentscheidung. Von dem eingeplanten Geld (wie viel auch immer) könnte man neue Sporthallen bauen und die Sportplätze in Hamburg sanieren, so dass der Breitensport weiterhin gefördert werden kann. Dass der Hamburger Sportbundchef Volksentscheide in Frage stellt und meint, die ablehnende Mehrheit hätte sich nicht informiert, ist ja schon recht frech.
Da stelle ich mir doch die Frage, ob sich der HSB vielleicht nicht einen neuen Frontmann gönnen sollte.“

Jürgen Hitsch (Grün-Weiß Eimsbüttel)

„Ich war auch überrascht, so eine Äußerung unmittelbar nach der Entscheidung zu lesen, sollte sie so gefallen sein. Seine persönlichen Gedanken zum Thema der Sinnhaftigkeit von Volksentscheiden hätten besser mit einem gewissen Abstand und dann etwas anders formuliert geäußert werden sollen. Natürlich ist Herr Mantell ebenso wie die meisten Sportvereinsvertreter stark enttäuscht worden. Er hat sich wie kaum ein anderer für die Spielebewerbung Hamburgs eingesetzt, kennt vermutlich fast alle Hintergründe der Bewerbung. Da kann ich schon verstehen, dass er nach dem Informationsmarathon der Monate vor der Abstimmung auch einmal Erschöpfungserscheinungen und Emotionen gezeigt hat. Herr Mantell engagiert sich überragend für die Vereine, ich glaube, er hat einfach seine Sorge um die Zukunft des Sports insbesondere in Hamburg zum Ausdruck bringen wollen.“

Martin Hildebrandt (SV Eidelstedt)
„Viele Mitglieder im SVE, geschlossen der Vorstand, so auch ich persönlich, sind traurig, dass es mit Olympischen Spielen 2024 in Hamburg nichts wird. Aber: So funktioniert die Demokratie, darauf können wir in Deutschland nur stolz sein, und so sind Wahlergebnisse zu akzeptieren. Herr Mantell ist vielen von uns noch durch seine Zeit als Bezirksamtsleiter Eimsbüttel bekannt. Damals, wie auch jetzt als Präsident des Hamburger Sportbundes, ist er allen als rechtschaffener, ehrenwerter, im Besonderen aber als aufrechter Demokrat bekannt. Daran hege ich nach wie vor keine Zweifel.“
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