„Obdachlose gehören zum Schanzenviertel“

Auf den Stufen vor der Roten Flora schlafen Obdachlose, doch immer wieder werden Matratzen von Müllmännern entsorgt. „Das ist Vertreibung“, kritisiert Anja Lehnhoff (vorne). Punky, Chris und Posi (hinten, v.l.): „Wir besetzen das hier immer wieder.“

Zwischenruf: Was einer langjährigen Bewohnerin des Viertels nicht passt

Wenn Anja Lehnhoff mit ihren Hunden durch das Schanzenviertel streift, bemerkt sie, dass immer mehr einfache alteingesessene Läden verschwinden. Stattdessen eröffnen Nobelboutiquen und Filialen teurer Ketten. Was wird aus einem Viertel, wenn nur noch für Besserverdiener und Reiche geplant wird? Diese Frage treibt Lehnhoff um. Sie sorgt sich vor allem um Obdachlose: „Die gehören einfach dazu. Aber die werden immer mehr vertrieben. Das geht nicht! Jeder hat ein Recht, hier zu sein!“
Ein Fall regt sie besonders auf: Ein junger Obdachloser mit Hund hatte in den vergangenen Monaten am Rande des Spielplatzes „Baschu“, in einem Hinterhof zwischen Bartelsstraße und Schulterblatt, campiert. „Er hatte in einer Nische am Rande des Fußballplatzes ein Zelt aufgebaut. Eines Tages erzählte er mir, dass er das abbauen musste, da er keine Genehmigung dafür hatte. Und er sollte 25 Euro Strafe zahlen. Was soll diese Vertreibung?“ Der junge Mann ist nun weg.
Lehnhoff hat auch immer wieder beobachtet, dass Müllmänner Matratzen und Sachen der Obdachlosen vor der Roten Flora entsorgen. „Wenn da morgens keiner drauf liegt und die Müllabfuhr kommt, schmeißen die das gleich weg. Dabei haben wir die Matratzen gespendet!“
Die Krankenschwester wohnt seit 27 Jahren am Schulterblatt. Damals, Ende der 80er Jahre, war das Viertel noch nicht so schick und angesagt. In den unsanierten Altbauten wohnten Leute mit wenig Geld, Studenten, Künstler, viele türkische Familien. Heute ist es eines der teuersten Pflaster der Stadt. Lehnhoff sieht mehr und mehr das normale Leben im Stadtteil schwinden: „Früher war es hier auf dem Spielplatz Baschu brechend voll, jetzt sieht man kaum noch Kinder. Wer in die teuren Wohnungen hier einzieht, hat keine Kinder.“ Ein billiger Supermarkt und eine Drogerie haben am Schulterblatt geschlossen. Einkaufen für den täglichen Bedarf? „Das wird immer schwieriger“, klagt Lehnhoff.
„Das Viertel war schon immer berühmt, soll auch so bleiben. Aber wo ist noch Platz für normale Bürger, die den ganzen Schnickschnack nicht wollen?“, fragt die 48-Jährige.

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