Nur noch auf Zeit geduldet?

Gisela Vöge und Alexander Bremer gehören zu vier Mietparteien, die seit Jahrzehnten in dem Reihenhaus Vogt-Kölln-Straße 38-48 wohnen. Die Stadt will das Haus abreißen.

Stadt will Wohnhaus an der Vogt-Kölln-Straße abreißen – langjährige Mieter sollen raus.

Von Reinhard Schwarz.

„Ich möchte hier wohnen bleiben!“, sagt die Stellingerin Gisela Vöge (69). Seitdem sie weiß, dass ihr Wohnhaus an der Vogt-Kölln-Straße 2020 abgerissen werden soll, schläft sie schlecht. Nebenan ist das Informatikum, das in den kommenden Jahren zum Uni-Campus an der Bundesstraße umziehen soll. Auf dem Restgelände soll ein Gewerbepark entstehen, weiterhin will der Bezirk die Sportplätze vom Sportplatzring dorthin verlagern. Und das 1948 errichtete Reihenhaus an der Vogt-Kölln-Straße 38 bis 48? Noch wohnen hier vier Familien in den ehemaligen Philips-Werkswohnungen. Zwei der Wohnungen, die der Stadt gehören, stehen bereits seit rund zehn Jahren leer.
Die Mieter wurden am 6. Mai von der Saga zu einem Gespräch gebeten. „Zuerst war alles ganz nett“, schildert Gisela Vöge, „dann haben sie uns den Bebauungsplan gezeigt und gesagt: Es handelt sich hier um ein Gewerbegebiet. Sie sind hier nur noch geduldet.“ Nach dem ersten Schock entgegnete die 69-Jährige: „Geduldet ist nicht. Wir haben einen gültigen Mietvertrag.“
Mieter wollen Rausschmiss nicht hinnehmen
Befragt zum Reihenhaus an der Vogt-Kölln-Straße, schalten die beteiligten Behörden offenbar auf Durchzug. Eine Wochenblatt-Anfrage beim Bezirksamt Eimsbüttel blieb unbeantwortet. Die Saga-Pressestelle erklärte sich für nicht zuständig. Man verwalte die Häuser nur, hieß es. Zuständig sei das Immobilienmanagement der Finanzbehörde. Deren Sprecher, Daniel
Stricker, erklärte, dass „nach geltendem Planrecht eine Wohnnutzung unzulässig“ sei, weil es sich um ein Gewerbegebiet handele. „Auch im neu aufzustellenden Bebauungsplan Stellingen 61 ist eine Festsetzung als Gewerbegebiet geplant.“
Die Mieter wollen den angekündigten Rausschmiss nicht hinnehmen. Alexander Bremer (74) fühlt sich in der Wohnung wohl, die er seit 1981 mit seiner Frau Ursula bewohnt. Ursula Bremer kritisiert auch den jahrelangen Leerstand: „Es ist doch Schwachsinn, Häuser abzureißen, wo überall Wohnungen gesucht werden.“

Wohnen oder Gewerbe?
Nach Aussagen der Behörden ist klar: Das Areal an der Vogt-Kölln-Straße ist Gewerbegebiet und soll es auch bleiben. Warum aber das Reihenhaus seit 1948 dort stehen durfte, dafür gibt es keine Erklärung. Seltsam ist auch, dass es in demselben Entwurf des Bebauungsplans heißt: „Die Gebäude der Informatik werden abgebrochen. Das Wohngebäude an der Vogt-Kölln-Straße kann bestehen bleiben.“
An anderer Stelle gibt es den gegenläufigen Trend: Am Holstenkamp soll in einem Gewerbegebiet ein Wohnheim für Flüchtlinge gebaut werden. Wenn die Behörden wollen, können sie das offenbar zulassen. Zu den Fragen, wann wo was geht, gab es keine Antwort vom Bezirksamt.
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