Nur Absagen: Keine Chance für Menschen über 50?

Die 56-jährige Vivian C. (Name geändert) sucht seit zwei Jahren eine Stelle im Verkauf – doch bisher vergeblich. Sie vermutet, dass die Firmen lieber Jüngere einstellen. (Foto: rs)

Seit zwei Jahren auf Stellensuche: 56-jährige fühlt sich diskriminiert

Von Reinhard Schwarz, Stellingen

„Vielen Dank für Ihre Bewerbung und Ihr damit entgegengebrachtes Interesse an unserem Unternehmen. Leider haben wir uns entschieden, die Position mit einem/einer anderen Bewerber/in zu besetzen.“ Solche oder ähnliche Absagen hat Vivian C. (Name geändert) schon Dutzende Male bekommen. Seit 2014 ist die 56-jährige Stellingerin auf Arbeitssuche – doch bisher erfolglos. 70 bis 80 Bewerbungen, schätzt sie, hat sie seitdem geschrieben. „Manche Unternehmen schicken noch nicht einmal die Bewerbungsmappen zurück“, ärgert sich die Mutter eines 28-jährigen Sohnes.
Zuletzt hatte sie zwei Jahre im Hamburger Osten bei einer großen Bäckereikette gearbeitet. „Ich war im Verkauf tätig, habe auch an der Kasse gearbeitet, dann wurde der Vertrag nicht verlängert, ohne Begründung“ schildert Vivian C. Sie fühlt sich schlecht behandelt. „Ich habe immer Überstunden gemacht, auf freie Tage verzichtet, das wurde aber auch bezahlt.“
Noch ein Anlauf: Zuletzt hatte sie bei einer anderen Bäckerei drei Tage zur Probe gearbeitet, doch am Ende hieß es: „Ich passe nicht zum Team. Da waren überwiegend Schüler und Studenten beschäftigt. Aber ich kann mich ja nicht jünger machen.“
Mittlerweile stellt sich die 56-Jährige auch direkt persönlich in Geschäften vor, auch in Bekleidungs-Shops und anderen gewerblichen Bereichen. „Damit die einen Eindruck von mir bekommen.“ Doch alles vergeblich. „Ich möchte darauf aufmerksam machen, wie schwer es Ältere auf dem Arbeitsmarkt haben, auch wenn sie gewillt sind, fast jeden zumutbaren Job anzunehmen“, sagt sie.
Haben nur junge Leute Chancen? Werden Ältere grundsätzlich abgelehnt? Das Elbe Wochenblatt hat bei größeren Hamburger Bäckereien, bei denen sich Vivian C. beworben hat, nachgefragt – die meisten antworteten nicht.

Das sagt die Agentur für Arbeit

„Das Problem der Alterdiskriminierung ist nicht neu und auch uns bekannt“, erklärt Knut Böhrnsen, Sprecher der Bundesagentur für Arbeit in Hamburg. „Wenn wir mit den Unternehmen sprechen oder unser Arbeitgeber-Service auf die Betriebe zugeht, werben wir für die Altersklasse der 'Berufs- und Lebenserfahrenen'.“ Die Arbeitsagentur biete den Arbeitssuchenden zudem Weiterbildungen an, den Firmen Lohnkostenzuschüsse. Böhrnsen: „Generell würde ich mir wünschen, dass Personalentscheider, die oftmals selbst im Alter 50- oder 60 plus sind, vermehrt Menschen ihrer Altersgruppe einstellen.“

Von der Konditorei Hagelstein gab es folgende Antwort: „Wir haben mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Generation 50plus und 60plus im Verkaufsbereich gute als auch nicht so gute Erfahrungen gemacht. Das ist sehr individuell. Aber grundsätzlich stellen wir auch heute noch gerne ältere Arbeitnehmer ein und arbeiten auch aktuell mit älteren Mitarbeitern gut zusammen. Das Arbeitsverhältnis zwischen 'Alt und Jung' funktioniert bei uns recht gut. Wir würden vielleicht einmal vorschlagen, dass sich 'Ihre' Mittfünfzigerin bei uns per E-Mail bewirbt, sollte sie im Verkauf von Backwaren erfahren sein.“
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