Nicht grübeln, ausprobieren!

Blind zu sein stellt für Johannes Löschke (re.) im Training mit Jean-Pierre Biézat kein Handicap dar. (Foto: pr)

Der blinde Johannes Löschke hat im Ju Jutsu seinen Sport gefunden

Von Gaby Pöpleu

Wenn man beim Training zuschaut, fällt es erst auf den zweiten Blick auf: Der Eidelstedter Ju Jutsuka Johannes Löschke (30) ist blind. Trotzdem trainiert er beim Sportverein Eidelstedt (SVE) mit den sehenden Sportlern – eine
Herausforderung.

Die hat Johannes noch nie gescheut: Eigentlich spielte er lange Goalball. Diese Ballsport ist besonders bei gehandicapten Sportlern beliebt und ist schon seit 1976 paralympisch. Dort schaffte Johannes es mit 17 Jahren sogar in die Nationalmannschaft. Nach einer längeren Pause fand er zunächst zum Goalball zurück, wollte aber dann doch nochmal etwas anderes probieren: „Asiatische Kampfkünste haben mich schon immer faszniert“, sagt Löschke. Und im SVE fand er den geeigneten Verein, denn hier wird das Miteinander behinderter und gesunder Sportler besonders gefordert.
Von seiner Familie – seine Mutter ist ebenfalls blind – war Löschke von jeher für den Sport motiviert worden. Nicht lange grübeln, „einfach machen“ hieß das Motto. „Wenn man mit den Trainern redet, gibt es eigentlich immer einen Weg in die Halle“, erklärt Johannes Löschke.

Berufsausbildung
im Sportumfeld


Sein Vater brachte ihn auf die Idee, seine Berufsausbildung am Sport zu orientieren: „Er sagte: Du bist doch sowieso immer da, dann kannst du das auch beruflich nutzen“, erzählt Löschke lachend. Jetzt setzt er noch eins drauf, macht eine Zusatzausbildung als Osteopath.
Seit rund zwei Jahren ist Löschke beim Ju Jutsu. Gute Aktionen sind bei ihm vor allem am Boden zu sehen, sagt er. Durch das ständige Training der Koordination möchte er seine assoziative Wahrnehmung verbessern, und auch seinen Gleichgewichtssinn.
Seine Trainingspartner schonen ihn nicht besonders – trotz seiner Einschränkungen. „Er wird von den anderen ebenso schnell auf die Matte geworfen, wie alle anderen“, sagt Trainer Jean-Pierre Biézat. Denn Löschke will nicht besonders behandelt werden, will stattdessen an seine Grenzen gehen und immer neue Herausforderungen angehen. „Wenn irgendwann der noch weiße Gürtel eine andere Farbe bekäme, wäre das sehr erfreulich“, lässt er durchblicken.
Seine Trainer sind voll des Lobes für den jungen Sportler: „Mit Johannes hat ein selbstbewusster junger Mann seinen eigenen Weg im Kampfsport gefunden“, sagt Biézat, „Er kann als Vorbild für viele dienen.“

Inklusion im SVE:
Der SVE ist der Sportverein mit der bundesweit größten Inklusionssportabteilung:Dort trainieren behinderte gemeinsam mit gesunden Sportlern. Es gibt inklusive Trainingsgruppen außer beim Ju Jutsu zum Beispiel beim Tanzen, Fußball, Handball, Klettern und Floorball. Um die Belange der Behinderten kümmert sich besonders der Inklusionsbeauftragte Stefan Schlegel.

stefan.schlegel@
sve-hamburg.de

Telefon 57 00 07 20

❱❱ www.sve-hamburg.de/sportarten/inklusionssport
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