Neupack: Späte Rache am Betriebsrat?

Gegen den Betriebsratsvorsitzenden Murat Günes wurden zahlreiche Kündigungen ausgesprochen – bisher erfolglos. Das Stellinger Unternehmen Neupack will den Gewerkschafter offenbar mit allen Mitteln loswerden. Auch ein Privatdetektiv wurde auf ihn angesetzt. (Foto: rs)
 
Insgesamt neun Monate streikte ein Großteil der Neupack-Belegschaft - davon einige Monate bei klirrender Kälte im Winter 2012/2013. Am Ende gab es Verbesserungen, ihre ursprünglichen Ziele erreichten die Streikenden jedoch nicht. (Foto: rs)

Kündigungen: Wie das Stellinger Unternehmen Neupack einen aktiven Gewerkschafter loswerden will

Von Reinhard Schwarz, Stellingen
Der Streik ist schon lange beendet, doch die Konflikte in dem Stellinger Unternehmen Neupack gehen weiter. Seit Monaten versucht die Firma, dem Betriebsratsvorsitzenden Murat Günes zu kündigen – bisher erfolglos. Insgesamt neun fristlose und fünf fristgerechte Kündigungen wurden Günes zugestellt. Der Gewerkschafter gilt als „Seele“ des neunmonatigen Streiks von November 2012 bis Juli 2013.
Neupack ist ein Familienunternehmen mit rund 200 Mitarbeitern in Hamburg und Rotenburg an der Wümme. Geschäftsführer und Firmenpatriarch Jens Krüger hat mit allen Mitteln versucht, die Gewerkschaft aus dem Betrieb herauszuhalten. Einen Tarifvertrag, wie es ihn in vielen Unternehmen seit Jahrzehnten gibt, konnten Gewerkschaft und Mitarbeiter bei Neupack selbst in neun Monaten Streik nicht durchsetzen. Die Firma geriet bundesweit als Beispiel für Unternehmerwillkür und ungerechte Bezahlung in die Schlagzeilen. Bald nach Ende des Arbeitskampfs begannen die Versuche, den Betriebsrats-chef loszuwerden. Es wurden immer wieder neue Gründe angeführt, um Günes zu kündigen. Späte Rache an einem unbequemen Mitarbeiter?

Gewerkschaft: Betriebsrat Günes soll zermürbt werden

Zuletzt versuchte das Unternehmen Günes zu kündigen, weil dessen Hausarzt ihn angeblich zu Unrecht krank geschrieben habe. Der Kündigungsstreit wird weiter vor Gericht ausgetragen – bisher ohne Ergebnis.
„Wir vermuten, dass das Unternehmen versucht, durch die Abfolge von Kündigungen Murat Günes zum Aufgeben zu zwingen“, erklärte Rajko Pientka, Gewerkschaftssekretär der IG Bergbau, Chemie und Energie (IG BCE).
Nach Ende des Streiks sei vereinbart worden, „eine neue Kultur der Zusammenarbeit zu etablieren“, so Pientka. „Wir bewerten das Vorgehen der Firma als einen Bruch dieser Verabredungen.“ Er vermute, dass sich Neupack der Praktiken des „Union Busting“ bediene – eine Art Mobbing, das vor allem in den USA angewandt werde, um aktive Gewerkschafter zum Aufgeben zu bewegen. Dazu gehöre auch der Einsatz eines Detektivs, der den Betriebsratsvorsitzenden und seine Familie offenbar längere Zeit bespitzelte.
Auf eine Anfrage des Elbe Wochenblatts reagierte Neupack bisher nicht.

Der Streik - eine Chronologie

November 2012: Ein Großteil der Belegschaft von Neupack streikt. Die Mitarbeiter fordern einen Tarifvertrag, höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen. Bei Neupack gab es zuvor nur individuell ausgehandelte Verträge mit sehr großen Gehaltsunterschieden.

Dezember 2012: Neupack zeigt sich nicht verhandlungsbereit. Das Unternehmen heuert polnische Leiharbeiter an, um den Betrieb aufrechtzuerhalten.

Januar/Februar 2013: Auch nach mehreren Gesprächsrunden zwischen Gewerkschaft IG BCE und Neupack gibt es keine Einigung. Die IG BCE geht zu zeitweisen Streiks über.

Juli 2013: Ein Kompromiss wird geschlossen. Fast alle Mitarbeiter bekommen mehr Geld, die Arbeitszeit wird von 40 auf 38 Stunden wöchentlich verringert. Einen allgemeinen Tarifvertrag gibt es nicht. „Was wir wollten, haben wir nicht erreicht. Aber es ist besser als vorher“, bilanzierte damals Betriebsrat Murat Günes.
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