Neupack-Betriebsratschef setzt sich vor Gericht durch

Glücklich nach dem Gerichtsurteil: Betriebsratsvorsitzender Murat Günes darf seinen Job behalten. (Foto: rs)

Arbeitsgericht lehnt Kündigung von Murat Günes durch Firmenleitung ab

Von Reinhard Schwarz, Stellingen – Entlassung gescheitert: Das Arbeitsgericht wies den Antrag der Stellinger Firma Neupack auf fristlose Kündigung des Betriebsratsvorsitzenden Murat Günes ab.
Neupack hatte Günes vorgeworfen, überaggressiv reagiert zu haben, als während des neunmonatigen Streiks polnische Leiharbeiter als Streikbrecher durch die Ketten der Streikenden geschleust wurden. Ein Mitglied der Firmenleitung erklärte in seiner Zeugenaussage, Günes habe Arbeitswillige „brutal“ angerempelt. Doch zahlreiche Zeugen sagten vor Gericht das Gegenteil: Der Betriebsratsvorsitzende und andere Streikführer seien der Aufforderung der Polizei gefolgt, eine Gasse für Arbeitswillige zu bilden.
Neupack zog vor Gericht, um die Kündigung juristisch durchzusetzen, der der Betriebsrat seine Zustimmung verweigert hatte.
Hintergrund des Arbeitsgerichtsprozesses bildete der Streik von Neupack-Mitarbeitern von November 2012 bis Juli 2013. Günes galt als „Seele“ des Arbeitskampfes, der als der längste und härteste der jüngsten Zeit gilt. Die Beschäftigten verlangten einen für alle gültigen Tarifvertrag, Anhebung der Löhne sowie gleiche Bezahlung für gleichartige Arbeit. Gewerkschaft und Betriebsrat hatten der Firma vorgeworfen, unterschiedliche Löhne für gleiche Tätigkeiten zu zahlen.
Ralf Duda, stellvertretender Betriebsratsvorsitzender, erklärte zum Gerichtsbeschluss: „Damit hat das Arbeitsgericht unsere Position bestätigt. Die Vorwürfe rechtfertigen keine Kündigung, das hat der Betriebsrat damals auch so gesehen.“ Neupack-Geschäftsführer Lars Krüger sagte: „Wir sahen und sehen es als unsere Pflicht, Tätlichkeiten gegenüber Mitarbeitern – ungeachtet der Person – zu verfolgen.“
Krüger ließ in seiner Erklärung offen, ob das Unternehmen Beschwerde gegen den Gerichtsbeschluss einlegen will. Dazu sagte Günes’ Anwalt Thomas Mammitzsch: „Es gibt eine Zusage, wonach Neupack keine Beschwerde einlegen will.“ Jan Eulen, Bezirksleiter der IG Bergbau – Chemie – Energie sagte: „Murat Günes kann jetzt ohne Belas-tungen seinen Tätigkeiten weiter nachgehen. Vom Unternehmen erwarten wir, dass es dieses Urteil vorurteilsfrei respektiert und in den betrieblichen Alltag umsetzt.“
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.