Neupack: Arbeitskampf mit harten Bandagen

Die Arbeiter von Neupack kämpfen für einen Haustarifvertrag, für gleichen Lohn bei gleicher Arbeit und bessere Arbeitsbedingungen. (Foto: ap)
 
Gunda Grum (55), ungelernte Packerin, arbeitet seit 20 Jahren bei Neupack. (Foto: ap)

Mitarbeiter des Stellinger Unternehmens wollen Tarifvertrag, Geschäftsführung lehnt Gespräche mit Gewerkschaft ab

Aimée Polzin, Stellingen – Drohungen, Strafanzeigen, schwarze Listen: Der Arbeitskampf bei dem Stellinger Unternehmen Neupack wird mit harten Bandagen geführt. Seit Donnerstag voriger Woche streiken 110 von 196 Arbeitern der Firma. Laut Gewerkschaft sind 90 Prozent der Produktion lahmgelegt, im Zweitwerk Rotenburg/Wümme ruhe sie ganz.
Vertreter der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) und der Betriebsrat beklagen vor allem ungleiche Löhne für gleiche Arbeit und die „Gutsherrenmentalität“ der vier Eigentümer. Die Forderungen: Ein Haustarifvertrag und faire Arbeitsbedingungen. So seien die Löhne der Mitarbeiterschaft, die zum großen Teil aus Ungelernten mit Migrationshintergrund besteht, teilweise seit zwölf Jahren nicht mehr erhöht worden. Rajko Pientka von der IG BCE spricht von „Sittenwidrigkeit“.
Dabei gehe es dem 53 Jahre alten Betrieb, der Verpackungen aller Art herstellt, wirtschaftlich gut. Jahr für steigender Gewinn, 2011 habe der Erlös bei 800.000 Euro gelegen, so Pientka, bei 30 Millionen Euro Umsatz.
Die Fronten sind verhärtet: Seit Streikbeginn spreche die Geschäftsleitung gar nicht mehr mit Gewerkschafts­ver­tre­tern, mit dem Betriebsrat allerdings schon. Die Gewerkschaft beklagt die „illegale“ Videoüberwachung der Streikenden, das Führen schwarzer Listen, die Zahlung von Streikbrecherprämien und die Drohung, Leiharbeiter einzustellen. In Rotenburg seien zudem Streikende von Wachhunden bedroht worden, ein Angestellter hätte einen Streikposten angefahren, so Pientka. Es wurden mehrere Strafanzeigen gestellt.
Axel Haeffner von der Geschäftsleitung hingegen berichtet von massiven tätlichen Übergriffen von Streikenden gegenüber Arbeitswilligen und weist darauf hin, dass die Gewerkschaft die Verhandlungen abgebrochen habe. Zudem liege das Zweitwerk in Rotenburg nicht gänzlich lahm, Produktionsausfälle seien noch nicht zu beklagen. Beide Seiten werfen sich gegenseitig vor, die Belegschaft zu spalten.
Der Streik läuft auf unbestimmte Zeit, diese Woche soll es doch noch einmal Gespräche geben.

Darum streike ich: Eine Mitarbeiterin erzählt


Gunda Grum (55) arbeitet seit 20 Jahren als Packerin bei Neupack. Als Ungelernte steht sie an der Maschine. Der Druck auf die Arbeiterschaft sei hoch, klagt die Mutter zweier Kinder: „Die Arbeit ist körperlich sehr anstrengend. Alles muss immer schneller und schneller gehen. Wir arbeiten im Akkord, werden aber nicht wie Akkordarbeiter bezahlt.“
In den Werkshallen sei es zudem manchmal sehr heiß und immer laut, berichtet Grum. Murat Günes vom Betriebsrat bestätigt das: „Im Sommer sind es bis zu 40 Grad in der Halle – bei Lautstärken über 90 Dezibel. Erlaubt sind aber nur 85.“ Früher sei alles aber noch wesentlich schlimmer gewesen.
Grum erinnert sich noch an die Zeit, als ihre Kinder klein waren. Da leistete sie unbezahlte Überstunden, wurde für Notnachtschichten einbestellt und arbeitete einmal sogar drei Schichten hintereinander. Man wollte sie zu weiteren Überstunden überreden, aber dann sei sie nach Hause gegangen, weil sie „einfach nicht mehr konnte“.
Heute gehört sie zu den Besserbezahlten unter den Niedriglohnempfängern in der Firma. Wieviel sie verdient, will sie nicht verraten, aber sie sagt: „Ich fühle mich ungerecht behandelt.“
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