Neue Wohnungen, aber keine Parkplätze – kann das gut gehen?

An manchen Ecken im Bezirk gibt es noch genügend Fläche für Parkplätze, im dicht bebauten Eimsbütteler Kerngebiet ist es häufig ein Graus, ein Plätzchen für seinen Wagen zu finden. Der Senat streicht nun die Vorgabe, Stellplätze beim Bau von Wohnungen zu schaffen. Wird in Zukunft alles noch viel schlimmer?

Wohnungsbau: Senat lockert Vorschriften für Bauherren – Bedenken in Eimsbüttels Bezirkspolitik

Alles zugeparkt, nichts mehr frei: Im engen Eimsbüttel müssen Autofahrer oft etliche Runden drehen, bevor sie einen Parkplatz für ihren Wagen finden. Wird das bald noch schlimmer? Denn der Senat möchte die vielen Bauherren lästige Stellplatzpflicht abschaffen. Heißt: Wer ein neues Haus baut, muss an sich gar keine Parkplätze für die zukünftigen Bewohner mehr schaffen.
Der Hamburger Senat will es potenziellen Bauherren so schmackhaft machen, Wohnungen zu schaffen. Einfacher und billiger soll es werden. Dafür werden die Vorschriften weiter gelockert. Bisher galt: Pro neue Wohnung mussten 0,6 bis 0,8 Stellplätze entstehen. Während es in Baugebieten in Schnelsen, Eidelstedt oder Niendorf noch ausreichend Platz gibt, wird es in Lokstedt oder Eimsbüttel langsam eng. Die Lösung im Kerngebiet sind daher meist – recht teure – Tiefgaragen. Muss bald nicht mehr sein.
Die Parkplatzvorschrift wird voraussichtlich zum 1. Januar aufgehoben. Über die Konsequenzen gehen die Meinungen in der Bezirkspolitik auseinander. Hartmut Obens, Fraktionsvorsitzender der Linken: „Das ist verheerend, ein roter Teppich für Investoren.“ Kritiker bemängeln zudem, dass der Stadt Geld durch die Lappen geht, das zum Bau von Quartiersgaragen benötigt wird. Denn: Wer nicht die vorgeschriebenen Stellplätze schaffte, musste bisher zahlen – etwa 6.000 bis 10.000 Euro pro Parkplatz.
Rüdiger Rust, SPD-Fraktionschef, meint jedoch, dass alles nicht so schlimm wird. Und der Bezirk könne sogar mitreden. „Der Bezirk kann vor Ort festlegen, was nötig ist – das können dann auch mal 1,0 oder 1,5 Stellplätze pro Wohnung sein“, so der Sozialdemokrat. Die SPD-Linie: Die laxeren Vorschriften sollen vor allem den Bau von günstigen oder Sozialwohnungen ankurbeln. Und: Mieter solcher Wohnungen hätten ja auch nicht unbedingt ein Auto, so Rust.
Übrigens: Die Pflicht zum Bau von Fahrradabstellplätzen wird nicht gelockert. Demnach müssen je nach Wohnungsgröße ein bis fünf Radparkplätze geschaffen werden. Also: Auto abschaffen, ab aufs Rad?


Neue Linie: Verhandeln statt verordnen


Der Hamburger Senat will sich von der starren Pflicht zum Bau von Parkplätzen verabschieden. Ab 2014 sollen Bezirksämter im Detail mit Bauherren verhandeln, wie viele Parkflächen entstehen können. Die Logik: Gibt es hier ein Bonbon für den Investor (Höheres Haus als zulässig, mehr Wohnungen), wird er sich vielleicht doch zum Bau von Stellplätzen überreden lassen. Immer mehr Hamburger steigen auf öffentliche Verkehrsmittel, Car-Sharing oder das Rad um, so die Stadtentwicklungsbehörde. Diesen Trend will der Senat fördern.
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2 Kommentare
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Fran Kee aus Eimsbüttel | 20.11.2013 | 10:27  
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Lothar Jakob aus Wilhelmsburg | 25.11.2013 | 13:16  
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