Neue Impulse für jüdisches Leben in Hamburg

Der Vorstand der Jüdischen Gemeinde Hamburg will neue Impulse geben. Vorn: Bella Gurfinkel und David Rubinstein. Dahinter, von links: Roy Naor, Philipp Stricharz, Bernhard Effertz, Shlomo Bistritzky und Ulrich Lohse. (Foto: pr)

Jüdische Gemeinde: Wie der Vorstand die drängendsten Probleme anpacken will

Die ersten Arbeiten haben begonnen: An der Synagoge in Eimsbüttel werden dringend nötige Reparaturen ausgeführt. Kaputte Kanalisation, völlig veraltete Lüftung und Heizung, bröckelnde Fenster: Das Zentrum der Jüdischen Gemeinde ist in einem kritischen Zustand. Dank Spenden kann nun endlich etwas ausgebessert werden (siehe Kasten).
Auch in anderen Bereichen will der Gemeindevorstand neue Akzente setzen: „Wir wollen jüdisches Leben in Hamburg fördern und uns als eine offene Gemeinschaft präsentieren, die ein fester Bestandteil dieser Stadt ist“, sagt Vorsitzender Bernhard Effertz. Eine besondere Rolle kommt da Shlomo
Bistritzky zu, der vor gut einem Jahr zum Landesrabbiner ernannt wurde. Der 35-Jährige hat das Chabad-Bildungszentrum an der Rentzelstraße aufgebaut und zeigt jüdische Bräuche häufig mit öffentlichkeitswirksamen Aktionen.
Während die Gemeinde in den vergangenen Jahren immer wieder Schlagzeilen mit internen Querelen und dem Streit um Grundstücke machte, soll es fortan konstruktiver und ruhiger zugehen. Jüdisches Leben soll im Mittelpunkt der Arbeit stehen.
Geplant ist unter anderem ein öffentliches Symposium: Im Dialog mit Vertretern anderer Religionsgemeinschaften soll es um die Frage einer neuen jüdischen Identität in Deutschland gehen. Welchen Stellenwert hat da die Erinnerung an den millionenfachen Judenmord (Holocaust) im Nationalsozialismus? „Jüdische Identität muss sich mehr und mehr vom Holocaust lösen, ohne diesen zu verdrängen. Vor allem für jüngere Generationen sind diese Erfahrungen nicht mehr so zentral, wir wollen da eine Normalisierung vorantreiben“, sagt Michel Rodzynek, Sprecher der Gemeinde.
Die Gemeinde will mehr und vor allem junge Juden erreichen. Derzeit sind etwa zwei Drittel der rund 3.000 Mitglieder älter als 50 Jahre, lediglich ein Fünftel ist unter 30 Jahren.

Sanierung der Synagoge


Etwa 3,5 Millionen Euro kostet die Sanierung des denkmalgeschützten Hauses an der Hohen Weide. Schritt für Schritt sollen die Arbeiten in den
nächsten Jahren erledigt werden. Bisher hat die Gemeinde Zusagen über 1,4 Millionen Euro. Eine Million Euro steuert die Hermann-Reemtsma-Stiftung bei, 400.000 Euro kommen von der Stadt Hamburg. Die Gemeinde selbst hat kaum eigene Mittel, um die Reparaturen zu bezahlen.
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