Multi-Kulti in der Pflanzenwelt

Hinschauen lohnt sich: Botanik-Experte Gerhard Höfer bietet interessante Führungen im Park Am Weiher an.
 
Der Experte in seinem Element: In dem idyllischen Eimsbütteler Park hat Gerhard Höfer die Pflanzen- und Baumarten aufgelistet.

Reportage: Gerhard Höfer bietet botanische Führungen an – ein Ausflug nach Eimsbüttel

Autsch, das war die falsche. Auf dem Arm kribbelt es, die Haut wird rot. In gemeine Brennesseln geraten. „Die mit den violetten Stengeln brennen nicht“, rät Gerhard Höfer und rupft einen lilafarbenen Stengel aus. Macht ihm offenbar nichts aus. Er lacht und erzählt, dass diese Pflanze früher massenhaft angebaut wurde, um aus ihren Fasern Textilien herzustellen. Wieder was dazugelernt.
Ein Sommermorgen in einem Park in Eimsbüttel.Im Schatten ist es noch angenehm kühl. Auf der kleinen Wiese lassen sich Frauen zum Sonnenbad nieder, wir wollen uns heute aber die Pflanzenwelt anschauen. Gerhard Höfer bietet regelmäßig Führungen in dem kleinen Park am Weiher an. Man kommt mit ihm kaum ein paar Meter weit. In seinen Sandalen geht der bärtige Fachmann von Pflanze zu Pflanze, stoppt dann wieder. Es gibt einfach so viel zu erzählen.
„Reiben Sie mal an diesem Blatt.“ Hmmm, duftet nach Minze. „Marokkanische Minze“, erklärt Höfer. Es gibt noch weitere Arten:die holländische Apfelminze oder die wilde Ackerminze. Ihr natürliches Verbreitungsgebiet ist die Großstadt eigentlich nicht. „Viele Pflanzen und Bäume wurden in diesem gestalteten Park angepflanzt – so wie man sich Natur vorstellt“, erzählt Höfer. Und auch manche Anwohner fügten dieses oder jenes Gewächs hinzu. „Botanisch ist das hier eine multikulturelle Gesellschaft“, sagt er und grinst.
Etwa 60 Blütenpflanzen sowie knapp 100 Baum- und Straucharten hat der Botanik-Fachjournalist in dem kleinen Park ausgemacht. „Von der ursprünglichen Vegetation ist fast nichts übrig geblieben. Nur Eichen und Sumpfschachtelhalm sind schon lange hier“, sagt der Experte, während er sich eine Pfeife anzündet und Rauchwölkchen in die Luft pafft.
Der Park Am Weiher entstand, als um 1880 der Bach Ottersbek im damaligen Sumpfgebiet vor den Toren Hamburgs aufgestaut wurde.
Der vermutliche Ureinwohner an dieser Stelle sieht ziemlich unspektakulär aus. Ein grüner Stengel mit vielen Abzweigungen: Der Sumpfschachtelhalm duckt sich am Uferrand hinter die Büsche. „Sein Wurzelwerk reicht bis zu vier Meter tief in die Erde. Der Schachtelhalm könnte schon seit etwa 10.000 Jahren an dieser Stelle wachsen“, erzählt Höfer.
Ein Baum aus der Urzeit ist die Sumpfzypresse. Zwei Exemplare stehen am südlichen Ufer des Sees. Der Kenner beugt sich hinab und zeigt die Atmungsknie des Wasserbewohners: Um Sauerstoff zu bekommen, wachsen die Wurzeln in kleinen Höckern aus dem Boden. „Diese Baumart gibt es seit etwa 30 Millionen Jahren. Es gab riesige Wälder, aus denen später Braunkohlelager wurden.“
Weiter gehts zu einer botanischen Plage, dem Japanischen Riesen-Knöterich. Mit seinen handflächengroßen Blättern überwuchert er alles, was neben ihm wächst. Ein astreiner Verdränger. An einer Ecke ist der Knöterich etwa vier Meter hoch gewachsen, Höfer ist in dem Blättermeer kaum noch zu sehen.
Endlich sind wir bei den „Affenärschen“: den Mispeln. Der Baum aus dem norddeutschen Bauerngarten hat den Namen von der Fruchtform her. Diese platzt auf und wölbt sich prall nach außen - wie eben, nun ja, ein Affenpo. Die Bauern nannten das Gewächs „Apens mors“.
Der „Beamtenbaum“ ist der Trompetenbaum aus dem Süden der USA. Weil er sonst wärmere Gefilde gewohnt ist, treibt er in Hamburg erst spät und nur für eine kurze Zeit seine Blüten aus. Kommt spät, geht früh: Da dachte der Volksmund an den Beamten und verpasste so dem Baum seinen Spitznamen.

– Führungen (etwa zwei Stunden) sind jeden ersten Sonnabend im Monat ab 9.30 Uhr. Kosten: zehn Euro, verbindliche Anmeldung unter 500 13 11.
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