Müll-Büttel lässt grüßen

Vor dem Spielplatz an der Kottwitzstraße stapeln Anwohner wöchentlich gelbe Säcke. Ein Glück, wenn diese heil bleiben und der Müll nicht umherfliegt. Fotos: calvi
 
Den 500. neuen Papierkorb brachten Rüdiger Siechau (Stadtreingung) und Umweltsenator Jens Kerstan (v.l.) vor dem Holi-Kino in der Schlankreye an. Anwohnerin Stella Kähler hatte diesen Platz vorgeschlagen. Foto: srh
 
Blaue Tonnen für Altpapier nutzen knapp 700.000 Hamburger Haushalte. Die Stadtreinigung stellt die Behälter kostenlos zur Verfügung. Foto: h. hass/ stadtreinigung hamburg

In Eimsbüttel stapeln sich die Müllsäcke an den Straßen – warum geht das nicht anders?

Jenifer Calvi, Eimsbüttel

Vor dem Holi-Kino an der Schlankreye haben am Montag Umweltsenator Jens Kerstan und Rüdiger Siechau, Chef der Stadtreinigung, den 500. neuen Papierkorb angebracht. Macht sich gut. Doch ein Stück um die Ecke wird es dreckig: Im Generalsviertel quellen die Abfallbehälter über, es stapelt sich wöchentlich der Müll – ein Rundgang.
Vor den feinen Altbauten liegen haufenweise rosa und gelbe Müllsäcke – auf den Gehwegen, zwischen den Autos und Fahrrädern sowie an Straßenecken. Beispiel Kottwitzstraße: An manchen Sonntagen gammeln dort alle paar Meter Müllsäcke vor sich hin, zum Teil aufgerissen: Essenreste sind auf dem Bürgersteig verteilt. Direkt vor dem Kinderspielplatz zwischen Gneisenautraße und Kottwitzstraße, dem „Kotti“, stapeln sich die gelben Wertstoffsäcke in mehreren Lagen übereinander.
In der Contastraße tobt seit einigen Wochen ein regelrechter Kleinkrieg zwischen Nachbarn. „Viele Anwohner stellen ihre Säcke zur Abholung an die Ecke Contastraße / Gärtnerstraße. Ein uns Unbekannter schleppt sie seit neuestem wieder zurück, reißt die Säcke auf und wirft sie vor die Haustüren. Kinder, die morgens die Haustür öffnen, fallen mitten in den Unrat ‘rein“, beschreibt einer der Betroffenen. Anwohner Thomas M. beschwichtigt: „Fairerweise muss auch gesagt werden, dass sich an dieser Ecke gerade massiv die Ratten breitmachen. Dass das niemand will, ist klar. Wir würden gern nach einer Lösung suchen.“

Hauseigentümer wollen keine Flächen hergeben

Eine Lösung für das Eimsbütteler Müllproblem könnten so genannte Unterflursysteme sein – also große Müllbehälter, die in den Boden eingelassen sind. Solche unteridischen Boxen gibt es zum Beispiel in Ottensen: Rund 28 unterirdische Müllplätze für rund 700 Haushalte wurden dort auf öffentlichem Grund errichtet. Eine Folge: Es liegen weniger rote Säcke in den Straßen, Ottensen ist schon viel sauberer geworden. Warum geht das in Eimsbüttel nicht?
Reinhard Fiedler von der Stadtreinigung erklärt: „Wir würden die Unterflursysteme sehr begrüßen. Aber ihre Installation ist zunächst einmal Sache der Grundeigentümer, wenn auf dem öffentlich genutzten Privatgrund vor den Grundstücken ein Einbau möglich ist. Auch ein Vorgarten kann nicht tabu sein, wenn es um eine von allen geforderte vernünftige Müllentsorgung geht.“ Eine Installation auf öffentlichem Grund ist auch nicht möglich, denn da sperrt sich – laut Stadtreinigung – das Bezirksamt.
An den Abholzeiten selbst könne man nichts ändern, so Fiedler. Das gilt auch für die Altpapiercontainer, die regelmäßig überquellen. Anwohner sollten möglichst erst am Tag des Abholtermins die Säcke an die Straße stellen. Eine andere Lösung gebe es – zumindest momentan – nicht.

Zwang zur Tonne


Carsten Vitt, Eimsbüttel

Altpapier, Verpackungen, Bioabfälle und Restmüll müssen in Hamburg seit 2011 getrennt gesammelt werden. Haus- und Grundeigentümer haben dafür zu sorgen, dass es vier verschiedene Tonnen gibt. Aber etwa 100.000 Haushalte haben immer noch keine extra Tonnen. Die Stadtreinigung verschickt nun Zwangsbescheide – die wichtigsten Fragen und Antworten.

Wer muss die Tonnen aufstellen?
Alle Grundstückseigentümer – allerdings nur, sofern auf deren Anwesen Platz dafür ist. Probleme bereiten häufig dicht bebaute Viertel wie Eimsbüttel oder Ottensen, wo es kleine Keller oder kaum Flächen vor dem Haus gibt. Die Stadtreinigung prüft vor Ort, wo Tonnen aufgestellt werden können.
Wie viele Haushalte haben Altpapier- und Biotonnen?
Hamburgweit können laut Stadtreinigung 536.000 Haushalte eine Biotonne nutzen, 696.000 eine Altpapiertonne. Das ist eine Quote von etwa 80 (Biomüll) beziehungsweise 90 Prozent (Altpapier). Etwa 11.500 Grundeigentümer haben bisher die Mülltonnenpflicht ignoriert. Da setzt die Stadtreinigung nun auf Zwang und verschickt Bescheide.

Was bringen die Tonnen den Mietern?

Es geht um Umweltschutz und auch bares Geld. Denn blaue Papiertonnen stellt die Stadtreinigung ohne Zusatzgebühren auf. Die grüne Biotonne kostet 20 Prozent der Gebühr einer gleich großen schwarzen Restmülltonne. „Wenn man den Hausmüll sorgfältig trennt und auf die vier unterschiedlichen Tonnen aufteilt, kann man die Restmülltonne verkleinern und spart Gebühren. Das können durchaus 50 Prozent Ersparnis sein“, so Reinhard Fiedler, Sprecher der Stadtreinigung. „Wer trennt, der spart und schützt die Umwelt“ – mit diesem Motto wirbt daher Umweltsenator Jens Kerstan (Grüne) für die Mülltrennung.

Müll: Zahlen und Fakten

❱ Seit 2011 müssen in Hamburger Haushalten neben den schwarzen Hausmüll- und den gelben Wertstofftonnen auch blaue Altpapier- und grüne Biotonnen vorhanden sein. Die Tonnen können bei der Stadtreinigung unter S 25 76 27 77 und S 25 76 27 99 bestellt werden.
❱ Abholtermine für Hausmüll oder Wertstoff stehen auf der Internetseite der Stadtreinigung Hamburg. Für die gelben Säcke ist übrigens nicht mehr die Stadtreinigung zuständig, sondern die Wert GmbH.
❱ Seit Januar sammelt die Stadtreinigung keine Altpapierbündel mehr direkt an den Straßen ein. Alte Zeitungen oder Kartons müssen Hamburger nun zu Containern oder zum Recyclinghof bringen. Alternative: die blaue Tonne.
❱ Das Problem mit den Müllsäcken hat seinen Ursprung in den 1970er-Jahren. Damals wurden verstärkt Kellerräume, in denen bis dahin Mülltonnen standen, als Lagerflächen umgewidmet.
❱ Rund 13.000 Haushalte in der Hansestadt entsorgen ihre Abfälle noch in rosa Säcken, weil es bei ihnen keinen Platz für Mülltonnen gibt. In Ottensen begann 2016 ein Pilotprojekt mit unterirdischen Müll-Sammelstellen (Unterflursysteme).
❱ Mehrere tausend Haushalte müssen in Eimsbüttel ihren Müll in rosa Plastiksäcken entsorgen, die dann von der Stadtreinigung abgeholt werden.
❱ In den vergangenen Monaten hat die Stadtreinigung auf Vorschlag von Bürgern 500 neue Papierkörbe installiert, die Akton wird fortgesetzt. JC/CV

❱❱ www.stadtreinigung.hamburg
❱❱ www.wert.de

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Stichwort „Müll-Büttel“
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Betreff: „Müll-Büttel“
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