(Mögliches) Bauland zum Schnäppchenpreis

„Grüne Lunge“ in Gefahr: die betroffenen Kleingartenvereine „Stubbenkamp“ (Klgv. 322), „Wildwux“ (Klgv. 347) und „Eimsbüttel“ (Klgv. 315) aus der Luft gesehen. Quelle: Google Earth / Initiative „Lebenswertes Lokstedt“.

Im Konflikt zwischen Beiersdorf und Kleingärtnern stellt die Stadt den Kaufvertrag ins Netz

Ch. v. Savigny, EimsbüttelRund 35,5 Millionen Euro muss das Unternehmen Beiersdorf AG für den Erwerb der Eimsbütteler Kleingartenflächen an die Stadt Hamburg zahlen. Das geht aus dem Kaufvertrag hervor, den die Stadt auf massiven Druck von Anwohnern und Politik hin Ende Dezember im Internet veröffentlicht hatte.
Auf den Quadratmeter umgerechnet ergibt sich ein Preis von etwa 300 Euro. Damit ist der Konzern vergleichsweise günstig davongekommen: Für Baugrund muss man in der Hansestadt durchschnittlich mindestens doppelt so viel anlegen.
Die betroffenen Kleingärtner sind verärgert – auch über den Preis: „Ich war echt schockiert, als ich den Vertrag gelesen habe“, sagt Beate Meding. „Vor allem, wenn man bedenkt, was die Leute hier teilweise für ihre Wohnungen zahlen.“

Zur Erinnerung: Im Juni letzten Jahres hatte der Kosmetikkonzern Beiersdorf den Zuschlag für die drei Kleingartenanlagen „Stubbenkamp“ (Klgv 322), „Wildwux“ (Klgv 347) und „Eimsbüttel“ (Klgv 315) erhalten (das Elbe Wochenblatt berichtete). Offizieller Grund: Das Unternehmen, das an der Troplowitzstraße gerade eine neue Firmenzentrale bauen lässt, will mit einer möglichen „Erweiterungsfläche“ seine Zukunft am Standort Eimsbüttel sichern.

Es gibt noch keine Bebauungspläne

Zwar existieren im Moment noch keinerlei konkrete Bebauungspläne, doch die betroffenen Laubenpieper fühlen sich und ihre Gärten akut bedroht. „Wir können im Moment wirklich keinen Grund für den Verkauf erkennen!“, schimpft Michael Witzorrek, Hobbygärtner und Mitglied der Initiative „Lebenswertes Lokstedt“.
Für die Kleingärtner hatte der Landesbund der Gartenfreunde Hamburg (LGH) den Vertrag ausgehandelt. Darin wird festgehalten, dass Beiersdorf die Flächen innerhalb der nächsten 20 Jahre nicht antasten darf. Stutzig macht die Betroffenen allerdings, dass vertraglich bereits Vorkehrungen für den Ernstfall getroffen wurden: Etwa, dass Beiersdorf Ersatzflächen zur Verfügung stellen oder finanziellen Ausgleich leisten muss.
Im ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen, haben die Laubenpieper eine Online-Petition (s. u.) gestartet, die den Verkauf von Eimsbüttels „grüner Lunge“ verhindern will. Knapp 3.000 Menschen haben bereits unterschrieben. Endgültig entschieden wird erst in diesem Frühjahr, wenn die Bürgerschaft dem Vertrag zustimmen muss.

❱❱ Der Kaufvertrag steht
unter www.transparenz.hamburg.de
Die Online-Petition unter
www.openpetition.de 
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