Mitarbeiter von Neupack streiken

Vorige Woche gab es einen eintägigen Warnstreik, jetzt stimmen Mitarbeiter der Stellinger Firma Neupack über einen Streik ab. (Foto: pr)

Stellingen: Der Kampf um einen Tarifvertrag

Sie haben die Schnauze voll, jetzt wird gestreikt: Ein Großteil der Mitarbeiter des Stellinger Unternehmens Neupack kämpft für einen Tarifvertrag. Seit mehr als einem Jahr ringen Betriebsrat und Gewerkschaftsvertreter mit der Geschäftsführung um Lohnerhöhungen und „gerechte Tarife“. „Die Arbeitsbedingungen und die Bezahlung sind derzeit von Willkür und Ungerechtigkeit geprägt“, sagt Rajko Pientka von der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE). Teilweise seit zehn Jahren seien die Gehälter von Mitarbeitern nicht erhöht worden. Es herrsche eine „Gutsherrenart“ in dem familiengeführten mittelständischen Unternehmen, das einen Teil seines Erfolgs auf Lohndumping aufbaue.
Laut Pientka gibt es große Unterschiede bei den Gehältern. So bekämen manche Mitarbeiter in der Produktion nur 50 Prozent des in der Branche üblichen Lohns, während manche Angestellte 127 Prozent des Tarifentgelts erhielten. Bisher seien Gehälter nicht über Tarifverträge geregelt, sondern über individuelle Absprachen zwischen Geschäftsführung und einzelnen Mitarbeitern. „Wir wollen der Willkür ein Regelwerk überstülpen“, so Pientka. Doch die Geschäftsführung weigere sich beharrlich, darüber zu reden.
„Wir stehen dem vernünftig und offen gegenüber“, sagt Jens Krüger, einer der Geschäftsführer. Er macht aber keinen Hehl daraus, dass er die Gewerkschaft nicht als ersten Ansprechpartner sieht und ein allgemeingültiges Regelwerk verhindern will. „Wir kommunizieren mit allen Mitarbeitern“, so Krüger. Die Forderungen der IG BCE hält er für überzogen. Das würde das Unternehmen 30 Prozent mehr kosten – „zu hoch“, so Krüger. Grundsätzlich sei Neupack zu Zugeständnissen vor allem in den unteren Lohngruppen bereit.
Der Geschäftsführer sieht die Gewerkschaft als „Brandstifter“, sie spalte die Belegschaft.
Nun gibt es einen unbefristeten Streik. Bei einer Urabstimmung unter den Gewerkschaftsmitgliedern bei Neupack sprachen sich knapp 90 Prozent der Abstimmenden für einen Streik aus.

Das ist Neupack

Das Stellinger Familienunternehmen stellt Verpackungen für die Lebensmittelindustrie her. Insgesamt arbeiten bei Neupack knapp 200 Menschen, 130 am Stammsitz in Stellingen, 70 in einem Werk in Rotenburg/Wümme. Inhaber sind zwei Generationen der Familie Krüger. Der Umsatz betrug laut Unternehmen voriges Jahr 30 Millionen Euro.
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