Mit Pop und Rock gegen „Mietenwahnsinn“

Ohne Gage: Frank Spilker (Die Sterne) spielte vor der „Roten Flora“ unter dem Motto „Miete nervt.“ Foto: rs

Open Air-Konzert vor der Roten Flora

Von Reinhard Schwarz, Sternschanze – Sie sind bescheiden geworden: Wohnungssuchende in Hamburg. „Ich suche ein Zimmer in einer Wohngemeinschaft“, sagt ein gelernter Koch, der seinen Namen nicht nennen möchte. „Die Lage ist egal, nur nicht in Harburg.“ Denn dort wohnt der 27-Jährige derzeit. Mit einem Plakat „Suche WG-Zimmer“ stromerte er durch die Menschenreihen auf dem Schulterblatt. Vor der „Roten Flora“ im Schanzenviertel hatten sich vorigen Sonnabend rund 1.000 Menschen eingefunden. Ein Bündnis von Stadtteilgruppen hatte zu einem nicht angemeldeten Konzert aufgerufen, um für eine Demonstration am 29. Oktober zu werben. Motto: „Mietenwahnsinn stoppen.“
Ob die Behörden mit dem Ziel des Aufrufs sympathisieren? Auf jeden Fall hatten Beamte ein Teilstück des Schulterblatts abgesperrt, um das Konzert zu ermöglichen – aber womöglich auch, um ein Chaos zu verhindern. Ohne Gage traten Frank Spilker (Die Sterne), das HipHop-Duo Chaoze One + Lotta Continua sowie die Band „Frittenbude“ auf. Zudem sang Jan Plewka Lieder des verstorbenen Rio Reiser („König von Deutschland“).
Anschließend wurde in der „Flora“ gegen Eintritt weiter gefeiert. „Mit der Party in der Roten Flora sollen die Kosten für die Musikanlage wieder hereinkommen“, sagte Jonas Füllner vom Bündnis „Mietenwahnsinn stoppen“.
Wer derzeit in Hamburg eine Wohnung sucht, muss einiges auf sich nehmen. „Wir haben ein halbes Jahr gesucht, um in der Gegend hier was zu finden“, sagt eine 32-jährige Sozialpädagogin, die mit einer Tochter (1) und einem Sohn (4) in der Otzenstraße in St. Pauli wohnt. Die Wohnung habe sie über einen Paragraf-5-Schein erhalten. „Die Miete ist mit 650 Euro dennoch sehr hoch und beträgt etwa die Hälfte meines Einkommens.“
Andere erzählen von demütigenden Auswahlverfahren. So mussten sie für eine Wohnungsbewerbung einen Lebenslauf, ein Empfehlungsschreiben des Vorvermieters und ein ominöses „Motivationsschreiben“ vorlegen.
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