Mit Kluft und Klampfe

Der Stamm Astrid Lindgreen stimmte ein Sommerlied an – mit Cajon und St. Pauli-Mütze. (Foto: J.Beck)

Pfadfinder traten zum bundesweiten Singe-Wettstreit an – drei Hamburger Gruppen vorn

Von Imke Staats

Was tun Pfadfinder, wenn sie im Winter nicht auf Fahrten unterwegs sein können? Lieder singen zum Beispiel, und zwar um die Wette. Mit Kluft und Klampfe versammelten sich letzten Sonnabend im Auditorium Maximum musikalische Pfadfinder aus ganz Deutschland zum jährlichen Wettsingen.

Hamburger Sänger hatten die Nasen vorn

Dem Besucher bot sich ein ungewöhnliches Bild: Kinder, Jugendliche und einige Erwachsene wuselten fröhlich-aufgeregt in kurzen Hosen – wetterhalber auch mit Strumpfhose drunter – durch das Audimax auf dem Uni-Campus. Dazu trugen die meisten „Jujas“, die typischen Hemden, über denen die stammestypischen Halstücher getragen wurden. Im Foyer wird Typisches verkauft, zum Beispiel Lederhosen oder Schaffelle.
Dann gings endlich los: Das Kuschelrock-Kontrastprogramm vom Band wurde abgeschaltet, dem vollbesetzten Saal noch einmal die Regeln verlesen. Die Organisatoren betonten: Das Bündische der Pfadfinder ist mit faschistischem Gedankengut unvereinbar. Denn: Es war wohl öfter zu Versuchen aus der rechten Szene gekommen, über eine Teilnahme am Singe-Wettstreit auf die Bühne zu gelangen und sich in die Pfadfindergemeinschaft einzuschleichen. Aber: Toleranz, Offenheit und Fairness gehören zu den Grundfesten des Pfadfindertums. Deshalb dürfen natürlich keine Lieder vorgetragen werden, die ein Volk, ein Geschlecht, eine Religion oder eine Person verunglimpfen.
Schließlich zeigten die Pfadfinder in fünf Kategorien, was sie gesanglich draufhatten. Pfadfinder-Besonderheit: Es ging um den originellsten Auftritt. Bewertungsmaßstäbe: Gesangliches Können, Natürlichkeit und eigene Ideen. Die Teilnehmer kamen nicht nur aus Hamburg: Auch Berliner oder Karlsruher Pfadfinder-Gruppen waren zum großen Gesangsspektakel angereist. Doch am Ende hatten die Hamburger die Nase vorn. Das Publikum wählte gleich drei Hamburger Gruppen auf erste Plätze, die Sippe Steinkauz vom Stamm Fridtjof Nansen, den Stamm Astrid Lindgren und die Gruppe Qéçhajza, Stamm Lykamedas.
Doch die Pfadfinder können auch Party machen: In der Pause nutzten die früheren Teilnehmer „Oleg and the Popovs“ die Bühne und brachten den Saal zum Tanzen. Und nachdem zum Abschied das internatio-nale Pfadfinderlied „Nehmt Abschied Brüder“ angestimmt worden war, zog es einige noch nach Harburg, wo bis morgens mit Musik, Wein und Tanz weitergefeiert wurde.
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