Mieterprotest im Karolinenviertel

Bewohner des Karolinenviertels fordern weiterhin sozialverträgliche Mieten. (Foto: Martin Heger)

Wohnungsverkauf an die Saga: Bewohner befürchten Mietsteigerung

Bewohner des Karolinenviertels warnen vor steigenden Mieten, wenn die Saga/GWG ab 2014 etwa ein Drittel der Wohnungen im Viertel übernimmt. Die Betroffenen fordern einen Stopp des Verkaufs der städtischen Häuser.
Noch gelten vergleichsweise geringe Mieten, die Hunderte Haushalte im Karolinenviertel vor Verdrängung schützen sollen. Doch damit könnte es in den nächsten Jahren vorbei sein. Den Verkauf von etwa 900 Wohnungen und Gewerbeeinheiten zwischen Schlachthof und Messe lehnt eine Mehrheit der Mieter ab. Etwa 550 Betroffene haben eine Protestnote unterzeichnet. Hintergrund: Bewohner des Viertels wollten mit einer eigenen Genossenschaft die Häuser übernehmen und verwalten. Doch der Senat lehnte dies ab und verkauft die Häuser für etwa 80 Millionen Euro lieber an die Saga.
Mietobergrenzen (sogenannte Bindungen) laufen nach und nach aus. Und dann? Kann die Saga die Mieten laut Vertrag alle drei Jahre um zehn Prozent erhöhen. „Das ist in einem Jahrzehnt eine Steigerung von fast 50 Prozent“, rechnet Christoph Rauch von der Karo-Genossenschaft vor. In Zahlen: Liegt die Durchschnittsmiete bei städtischen Häusern derzeit bei etwa sechs Euro, könnte diese auf 8,50 Euro und mehr steigen. Erhöhungen seien bei etwa 40 Prozent der Wohnungen im Saga-Paket sofort zu erwarten, so Rauch. „Hier wohnen viele Geringverdiener und Sozialhilfeempfänger, die diesen günstigen Wohnraum brauchen. Höhere Mieten gefährden deren Existenz“, warnt Rauch. Die Spirale dreht sich bereits: „Die Verdrängung ist in vollem Gange“, sagt Susanne Sippel von der Karo-Genossenschaft. Die Mieten seien in den letzten Jahren schon massiv gestiegen, viele Menschen könnten sich ihre Wohnungen nicht mehr leisten.
Diese Woche soll die Bürgerschaft, das Landesparlament, über den Verkauf an die Saga entscheiden. Der Appell an die Politik: Genossenschaften sollten Wohnungen übernehmen, um langfristig sozialverträgliche Mieten zu garantieren.
Die Stadtentwicklungsbehörde äußerte sich bis Redaktionsschluss nicht zu der Kritik.


Hintergrund: Der Saga-Deal


Das Karolinenviertel ist noch bis Ende 2013 Sanierungsgebiet. Dadurch gelten besondere Schutzmechanismen auf dem Wohnungsmarkt – unter anderem niedrige, über lange Zeiträume festgelegte Mieten, die sich auch Geringverdiener und Hartz IV-Empfänger leisten können. Die Stadtentwicklungsgesellschaft Steg verwaltet derzeit treuhänderisch die 900 Einheiten (Wohnungen und Gewerbe) in städtischem Besitz, um die gerungen wird. Der Senat will diese ab 2014 für etwa 80 Millionen Euro an die Saga/GWG verkaufen und für eine Übergangszeit von acht Jahren weiterhin von der Steg verwalten lassen. Danach übernimmt die Saga komplett. CV
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