Mieter wollen das Karoviertel übernehmen

Blick in die Karolinenpassage in der Nähe zur Messe: Noch sind die Mieten im Karoviertel auch für Kleinverdiener bezahlbar. Doch Ende 2012 läuft das Sanierungsverfahren aus. Die Mieten könnten nach und nach angehoben werden. Die Folge: Alteingesessene Bewohner mit geringem Einkommen müssten wegziehen. Foto: rs

Genossenschaft wird gegründet, um befürchtete Wuchermieten zu verhindern

Von Reinhard Schwarz, Karolinenviertel – Die Investoren warten schon: Das Karolinenviertel zwischen altem Schlachthof, Messe und Innenstadt gilt als attraktives Areal mit einer weitgehend erhaltenen Architektur aus dem 19. Jahrhundert. Ein Kleinod, auf das sich die Immobilienbranche gern stürzen würde. Doch noch ist das Karoviertel – so die Kurzformel in der Szene – Sanierungsgebiet, die meisten der rund 2.400 Haushalte sind damit vor drastischen Mieterhöhungen geschützt. Aber nicht mehr lange: Ende 2012 läuft die Sanierungsbindung aus, die jetzt noch recht moderaten Mieten könnten nach und nach steigen. Viele Kleinverdiener oder Hartz-IV-Empfänger müssten dann womöglich wegziehen, Besserverdienende würden an ihre Stelle treten. Das wollen Bewohner verhindern: über eine Genossenschaft.
Susanne Otto (48) und Antje Kianidoost (41) gehören zu den Gründungsmitgliedern. Der Plan: Die rund 923 Wohnungen und 201 Gewerbeeinheiten, die noch der Stadt gehören, soll die Genossenschaft übernehmen. Verwaltet werden die Immobilien noch von der Stadterneuerungsgesellschaft Steg. Die Befürchtung der Anwohner: 2013 sollen die Wohnungen und die Gewerbeflächen an die Finanzbehörde rückübertragen und an die Saga/GWG verkauft werden. Geschätzter Kaufpreis: 100 Millionen Euro.
Um diese Summe wieder hereinzuholen, werde die Saga/GWG vermutlich die Mieten drastisch anheben. „In zehn bis fünfzehn Jahren könnten die jetzigen Bewohner die Mieten nicht mehr bezahlen“, befürchtet Susanne Otto, die seit 25 Jahren in der Grabenstraße wohnt. „Da gibt es gewachsene Nachbarschaften, die Leute kennen sich und wollen hier nicht weg.“
Was könnte eine Genossenschaft anders machen? „Die Genossenschaft könnte als nicht gewinnorientierter Partner der Stadt den Wohnungsbestand verwalten“, so die Diplom-Sozialpädagogin. Bisher haben sich 124 Mitglieder der Genossenschaft in Gründung angeschlossen.
E Infos zur Mietergenossschaft gibt es im Internet unter www.karogenossenschaft.de

Stimmen aus Parteien:
Politische Unterstützung bekommt das Projekt von der Linken. Die SPD favorisiert hingegen die Übertragung der Wohnungen auf die Saga/GWG, erklärt aber auch, sie wolle „genossenschaftlichen Initiativen nicht vorgreifen“: „Der Erwerb von Wohnungsgebäuden durch Genossenschaften kann ein Instrument zur Stabilisierung aufwertungsbedrohter Nachbarschaften sein.“ RS
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