Mieter wehren sich gegen Kündigungen

Müggenkampstraße 23: Mieter halten zusammen, um sich gegen Kündigungen zu wehren. Die Hausgemeinschaft befürchtet, dass das einfache Haus in begehrter Lage in Eimsbüttel erst leer geklagt und dann gewinnbringend verkauft werden soll. Die Besitzerin widerspricht den Befürchtungen teilweise. (Foto: cv/pr)

Müggenkampstraße 23 in Eimsbüttel: Bewohner befürchten Rausschmiss

Kündigungen, Klagen, Mieterhöhungen: Bewohner des Hauses Müggenkampstraße 23 befürchten, dass sie vertrieben werden sollen. Der Bau aus den 60er Jahren ist etwas betagt, liegt aber in begehrter Lage in Eimsbüttel. Ein Filetstück, das man auf dem überhitzten Wohnungsmarkt versilbern kann? Es spricht einiges dafür.
Ende 2010 erwarb Hilke Wesselhöft bei einer Zwangsversteigerung die Immobilie mit zwölf Mietwohnungen im Vorderhaus, im Hinterhof ist ein Flachbau mit teils gewerblicher Nutzung. Aus Sicht der Mieter wurde es dann bald ungemütlich. Agatina Anzalone schickte Anfang 2011 eine Mängelliste an die Verwaltung. „Daraufhin erhielt ich eine Kündigung wegen Sanierungsbedarf“, schildert die Bewohnerin. Eine Ersatzwohnung sei ihr nicht angeboten worden. Sie ging mit Hilfe des Mietervereins und eines Anwalts dagegen vor. Mittlerweile streitet sie mit der Besitzerin über eine Räumungsklage, Wesselhöft kündigte der Mieterin auch wegen Eigenbedarfs für Familienangehörige. Das Verfahren läuft.
Etwa die Hälfte der Mietparteien erhielt ebenfalls eine Kündigung wegen Sanierungsbedarfs, auch dagegen gingen sie erfolgreich vor. Bei anderen Bewohnern sollte die Miete erhöht werden – „weit über den im Mietenspiegel zulässigen Satz hinaus“, so ein langjährier Bewohner. Sie wohnen noch recht günstig, für etwa acht Euro Kaltmiete ist in Eimsbüttel derzeit kaum etwas zu haben.
Die Mieter vermuten, dass hinter den Kündigungen Kalkül steckt, zumal Wesselhöfts Ehemann als Verwalter auch „aufbrausend und ausfallend“ gegenüber Bewohnern auftrete. „Die Besitzerin will uns alle raushaben, um das Grundstück gewinnbringend zu verkaufen“, so ein Mieter.
Auch der Mieterverein teilt diese Einschätzung: Auf dem angespannten Hamburger Wohnungsmarkt herrsche eine regelrechte Goldgräberstimmung. „Müggenkampstraße 23 scheint so ein Fall zu sein, wie Mieter durch ungerechtfertigte Kündigungen unter Druck gesetzt werden sollen“, so Siegmund Chychla, Sprecher des Mietervereins zu Hamburg.

Das sagt die Besitzerin
Eigentümerin Hilke Wesselhöft widerspricht Vermutungen der Mieter. Sie habe nicht vor, das Haus zu entmieten, zu einem möglichen Abriss äußert sie sich nicht. Die Kündigungen der einen Haushälfte habe sie ausgesprochen, um dort die Heizungen sanieren zu können. Mieter klagten über Kälte und Feuchtigkeit. Diesen Kündigungen widersprachen Mieter - dies respektiere sie. Deshalb konnte auch nicht saniert werden.
Zum Vorwurf des rüden Auftretens des Verwalters sagt sie: „Belästigungen oder Bedrohungen liegen seitens der Hausverwaltung nicht vor. Das sicherlich energische Auftreten des Verwalters wird durch vorangehende Nutzungsüberschreitungen und Provokationen verschiedener Mieter verständlich.“
Zu einem möglichen Verkauf äußert sich Wesselhöft nicht. Aber: „Wenn man Kuchen gewinnbringend verkaufen darf, muss für einen gewinnbringenden Hausverkauf doch das Gleiche gelten.“
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1 Kommentar
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m b aus Eimsbüttel | 05.08.2012 | 09:14  
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