Mieter im Karolinenviertel: „Lasst uns hier wohnen!“

Wollen bleiben: Mieter der Häuser Glashüttenstraße 20, 20a und 21 kämpfen gegen Kündigungen und Abrisspläne ihres Vermieters.

Glashüttenstraße: Eigentümer will Mieter raushaben und Altbau abreißen lassen

Fünf Wohnungen und Gewerberäume stehen schon leer, die verbliebenen elf Mieter eines Altbaus im Karolinenviertel befürchten, dass auch sie bald auf die Straße gesetzt werden. Der Eigentümer will alle Mieter raus haben. Es ist offenbar ein lukrativer Neubau oder ein Verkauf im attraktiven Karolinenviertel geplant.
Das Haus in der Glashüttenstraße 20/21 wurde etwa 1865 gebaut. Einfache Wohnungen, teilweise noch mit Klo auf dem Gang. Zwei Zimmer, 42 Quadratmeter, 280 Euro kalt – solche Mietpreise gibt es hier noch.
Doch seit vorigen Sommer weht ein anderer Wind: Allen Mietern wurde gekündigt. Sie stehen einer „Verwertung“ des Grundstücks im Weg, argumentierte der Eigentümer. Das denkmalgeschützte Haus ist in einem schlechten Zustand, es muss saniert werden. Ein Erhalt sei gegenüber einem Neubau deutlich teurer, heißt es. Es wurde ein Abrissantrag beim Bezirksamt gestellt, mittlerweile aber wieder zurück gezogen.
Die Mieter wehren sich gegen den drohenden Rausschmiss, haben einen Anwalt beauftragt. „Gespräche und Verhandlungen werden aber von der Eigentümerseite verweigert“, so Rechtsanwalt Bernd Vetter.
Viele Mieter wohnen seit mehr als 20 Jahren in dem markanten Haus und erinnern sich an die besten Zeiten. Über Jahrzehnte gehörte der Altbau Ella Mickan, die Eigentümerin wohnte selbst in dem Haus. „Es war eine sehr familiäre Nachbarschaft, sehr angenehm. Viele nannten die Eigentümerin ,Tante Ella’“, erzählt Carola Kaurisch, die seit 17 Jahren in der Glashüttenstraße wohnt.
Doch diese Zeiten sind vorbei: Ella Mickan kam vor ein paar Jahren ins Pflegeheim, die Verwaltung hatte sie an eine Rechtsanwältin abgegeben. Ende 2013 ist die alte Dame verstorben. Es sieht so aus, als wolle der Erbe das Grundstück versilbern.


Das sagt Mieter helfen Mietern


Alte Mieter raus, Abriss, Neubau mit teuren Miet- oder Eigentumswohnungen: „Solche Verwertungstendenzen wird es in solch attraktiven Lagen mehr und mehr geben“, befürchtet Marc Meyer vom Verein Mieter helfen Mietern. „Es geht hier um größtmögliche Kapitalmaximierung durch Verdrängung der langjährigen Mieter - das soll eine soziale Erhaltungsverordnung eigentlich verhindern. Wir erwarten, dass der Bezirk so entscheiden wird, dass diese Spekulation vereitelt wird."
Zudem hält Meyer die Kündigungen für unwirksam. „Es fehlt eine ausreichende Begründung. Es wird nur einfach behauptet, dass der Eigentümer bei Fortsetzung der bestehenden Nutzung an einer angemessenen wirtschaftlichen Verwertung gehindert und erhebliche Nachteile erleiden würde. Notwendige Genehmigungen liegen offenbar nicht vor.“
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