Miete um 92 Prozent rauf

Streit um Mieterhöhungen in der Gorch-Fock-Straße: Einige Mieter packen schon die Umzugskisten. Sechs Euro mehr pro Quadratmeter: Das können sie nicht bezahlen.
Hamburg: Gorch-Fock-Straße 6-8 |

Wie in der Gorch-Fock-Straße in Eimsbüttel langjährige Mieter vertrieben werden

Die einen packen schon die Umzugskisten, die anderen streiten noch mit dem Vermieter. Die Häuser in der Gorch-Fock-Straße 6-8 nahe des Diakonie-Klinikums werden aufgemöbelt, der Eigentümer verlangt bis zu 92 Prozent mehr Miete. Langjährige Bewohner fühlen sich verdrängt.
Christiane P. (Name geändert) wohnt seit fast 30 Jahren in der Gorch-Fock-Straße. Einfacher Altbau, ruhige Lage, U-Bahn-Stationen und Buslinien gut erreichbar. Sie zahlt eine für Eimsbüttel günstige Miete: gut sechs Euro kalt pro Quadratmeter. Doch es liegen heftige Forderungen des Vermieters auf dem Tisch. Das Haus wird gedämmt, nachträglich ist ein Keller unter den Altbau gesetzt worden, das Dachgeschoss wird ausgebaut, ein Fahrstuhl soll installiert werden, neue Balkone kommen ans Haus. Insgesamt listen die Eigentümer – Axel, Christiane und Sebastian Dittmers, vertreten durch die Grundstücksgesellschaft Elbe (GGE) – Kosten von mehr als 700.000 Euro auf. Und die Mieter müssen mitbezahlen.
Für Christiane P. hat der Eigentümer errechnet, dass der Quadratmeterpreis durch die Umbauten von derzeit 6,25 Euro auf zwölf Euro steigen wird – das sind knapp 92 Prozent mehr. Sie und viele andere langjährige Mieter – alte Leute, Familien – können so viel Geld fürs Wohnen nicht aufbringen. „Viele Mieter sind schon weggezogen“, sagt die Eimsbüttelerin.
Sylvia Sonnemann vom Verein Mieter helfen Mietern hält die Forderungen des Eigentümers für ein krasses Beispiel, wie Vermieter Kosten für fällige Sanierungen auf die Mieter abwälzen. „Die Balkone zum Beispiel sind kaputt und müssen gemacht werden, das ist keine Modernisierung, sondern eine Instandhaltung“, so Sonnemann. Der Unterschied: Eine Instandhaltung – oder Sanierung – muss der Vermieter bezahlen, für Modernisierungen werden die Mieter zur Kasse gebeten. Aber gehört ein Fahrstuhl (allein 190.000 Euro) dazu? Zumal der Lift nur notwendig ist, da das Dachgeschoss ausgebaut wird? Sonnemann: „Hier werden Mieter rausmodernisiert, das ist reines Profitinteresse.“
Der Vermieter Dittmers will sich zu dem Konflikt nicht äußern.
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Fran Kee aus Eimsbüttel | 30.05.2014 | 09:41  
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