Miete um 65 Prozent rauf - Aus für „Wohngeschwister“

Sie mussten kündigen, weil sie die drastisch erhöhte Miete nicht mehr zahlen konnten: Dag (r.) und sein Bruder Carsten Lübke. (Foto: cvs)

Zu teuer: Die Brüder Lübke geben ihren Laden in der Schanze auf

Christopher von Savigny, Sternschanze

Aus für „Die Wohngeschwister“: Nach rund zehn Jahren muss das beliebte Einrichtungshaus an der Ecke Schanzenstraße / Ludwigstraße seinen Betrieb aufgeben. Schuld ist eine drastische Mieterhöhung von 65 Prozent, die sich der Möbelladen nicht leisten kann. „Das war natürlich ein Schock für uns“, sagt Dag Lübke, einer der beiden Geschäftsinhaber. Der Ausverkauf hat bereits begonnen. Voraussichtlich am 14. März schließen sich endgültig die Ladentüren.
Als gewerblicher Mieter hatte der Möbelhändler einen Fünf-Jahres-Vertrag, der jeweils nach Ablauf des Zeitraums verlängert werden konnte. Einmal hatten die Betreiber diese Möglichkeit bereits genutzt – zu einer weiteren Verlängerung kam es aufgrund des unerwartet hohen Mietaufschlags nicht mehr. „Noch im Spätsommer 2014 versicherte uns der Verwalter, dass für uns als Bestandsmieter keine Mieterhöhung zu erwarten sei“, berichtet Lübke. In der Vergangenheit hatte das Geschäft lediglich drei Prozent mehr Miete pro Jahr zu zahlen gehabt. „Eine Erhöhung von 65 Prozent ist für uns wirtschaftlich nicht mehr zu leisten“, sagt Lübke. Langwierige Bauarbeiten in der Schanzenstraße hätten zu Umsatzeinbußen geführt. „13 Prozent mehr – das wäre für uns gerade noch machbar gewesen“, so Lübke. Auf dieses Gegenangebot der Betreiber habe der Verwalter allerdings nicht reagiert.

Verwalter: "Liegen weit unterhalb der üblichen Mietforderungen im Viertel"

Vermieter der Immobilie ist die Verwaltungsgesellschaft für Grundbesitz (GON), die im gleichen Gebäude wie das Möbelgeschäft zuhause ist. Eigentümer ist die Warburg Privatbank. Allem Anschein nach versucht der Verwalter zurzeit, möglichst viel Rendite aus seinem Objekt herauszuschlagen. „Mit unserer Mietforderung liegen wir noch weit unterhalb dessen, was im Viertel üblich ist“, sagt GON-Geschäftsführer Daniel Benoit. Im Übrigen fände man es „außerordentlich bedauerlich“, dass die Zusammenarbeit mit dem Möbelgeschäft nun beendet sei.
Bekannt waren und sind „Die Wohngeschwister“ für ihr breit gefächertes Angebot an Möbeln und Wohnaccessoires. Auf rund 600 Quadratmetern der ehemaligen Steinway-Pianofabrik in einem Innenhof der Schanzenstraße verkauften sie Groß- und Kleinmöbel für Küche, Bad und Wohnzimmer, dazu Kissen, Lampen, Deko- und Geschenkartikel. Der Schwerpunkt lag auf skandinavischem Design. Dag und sein Bruder Carsten Lübke sind die Söhne von Dieter Lübke, dem ehemaligen Inhaber des „Speichers am Fischmarkt“ und von „Schaumstoff Lübke“. „Wir versuchen, wieder neue Ladenflächen hier in der Gegend zu bekommen“, sagt Dag Lübke. „Aber wir wissen auch, dass das schwierig wird.“
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.