Messe unter Zwiebeltürmchen

Die Priester Dionisij Idavein (li.) und Sergij Baburin leiten die Gottes-dienste der russisch-orthodoxen Gemeinde. (Foto: cvs)

Fünf Jahre nach ihrer Umwidmung ist die Gnadenkirche im Karolinenviertel zu einem Zentrum der Orthodoxen geworden

Christopher von Savigny, Karolinenviertel – Der Weg zu Hamburgs Orthodoxen führt durch ein prächtiges steinernes Eingangs-portal hindurch, das auf einer Verkehrsinsel zwischen dem Karoviertel und den Gerichtsgebäuden liegt. Im Vorraum der Kirche gibt es Bücher, Heiligenbildchen und dünne, aus Wachspapier zusammengerollte Kerzen zu kaufen. Stückpreis: ein bis zwei Euro. Man zündet sie an, um für die Verstorbenen zu beten.
Etwa 40 Menschen haben sich an diesem Sonnabend zum Gottesdienst in der Gnadenkirche versammelt. Es herrscht ein ständiges Kommen und Gehen – bei einer durchschnittlichen Messdauer von mindestens zwei Stunden nichts Ungewöhnliches. Und auch nichts, was als störend empfunden wird: Wer später kommt, bleibt am Rand stehen, wer früher geht, tut dies leise und unauffällig.
Priester Dionisij Idavein ist ein ruhiger Mensch mit sanfter Stimme. Die Kirche sei ein wichtiger Ort für die Gemeinde, sagt er. „Viele unserer Mitglieder leben hier weit weg von zu Hause, sie brauchen ein gemeinsames Zentrum.“ Dafür wurde das ehemals evangelische Gotteshaus (siehe Info-Kasten) aufwändig umgebaut: Auf die Türmchen wurden kleine Zwiebeln mit russischen Kreuzen gesetzt, die Kirchenbänke wurden abgeschraubt und nach draußen getragen, weil orthodoxe Gottesdienste grundsätzlich im Stehen gefeiert werden. Dafür bekam der Fußboden ein steinernes Mosaik, das die runde Form des Kirchen-inneren unterstreicht. Am auffälligsten ist jedoch die farbenfrohe Wand („Ikonostase“), die das Kirchenschiff vom Altar abtrennt. Sie zeigt Fresken aus dem Leben Jesu sowie Porträts verschiedener Heiliger.
Mit der Kirche des heiligen Johannes von Kronstadt hat die Gemeinde einen Mittelpunkt bekommen. „Sonntags haben wir bis zu 300 Besucher“, sagt Idavein. Wie viele Gemeindemitglieder er überhaupt hat, weiß der Priester nicht zu sagen. „Vielleicht 4.000?“ Das sei schwierig zu schätzen: Viele würden sich nicht eintragen, weil sie eine Mitgliedschaft mit Kommunismus und alten Sowjetzeiten in Verbindung brächten.

Wie die Kirche entstand


Vor fünf Jahren – gleichzeitig mit dem 100. Geburtstag der Kirche und dem 50-jährigen Jubiläum der hamburgischen Städtepartnerschaft mit St. Petersburg – war das ehemalige Gotteshaus der evangelischen St.-Pauli-Gemeinde zur „Kirche des heiligen Johannes von Kronstadt“ geweiht worden. Zuvor hatte man das Gebäude aufwändig umgestaltet.

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