„Mehr als zehn Prozent sind unrealistisch“

Katja Nienaber, Geschäftsführerin der Elbkinder-Vereinigung Hamburger Kindertagesstätten gGmbH. (Foto: pr)

Erzieher-Streik: Interview mit Katja Nienaber, Geschäftsführerin der Elbkinder-Vereinigung

Erzieher fühlen sich benachteiligt: Unterdurchschnittliche Löhne, steigende Anforderungen im Beruf, nicht genug Personal in den Kitas. In Hamburg werden die Einrichtungen der städtischen Elbkinder-Vereinigung bestreikt – das Elbe Wochenblatt sprach mit deren Geschäftsführerin Katja Nienaber.

Elbe-Wochenblatt: Haben Sie Verständnis für den Erzieherstreik?
Katja Nienaber: Wir bedauern sehr, dass die Hamburger Eltern die Leidtragenden der Tarifauseinandersetzungen sind. Die Gewerkschaften haben sehr hohe und strukturelle Forderungen gestellt, die nicht in wenigen Tagen verhandelt werden können. Dass die bisherigen Verhandlungen als gescheitert erklärt wurden und ein Erzwingungsstreik ausgerufen wurde, ist deshalb aus unserer Sicht eine zu scharfe Maßnahme, insbesondere weil vom ersten Verhandlungstag an Warnstreiks stattfanden.

EW: Halten Sie die Forderung von zehn Prozent mehr Lohn für angemessen?
KN: Generell ist der Wunsch nach höheren Löhnen ein verständlicher Wunsch eines jeden Mitarbeiters. Aber mehr als zehn Prozent zu fordern, ist unrealistisch. Das ist nicht bezahlbar für uns. Derzeit verdient eine Berufsanfängerin in Vollzeit bei uns 2.478 Euro monatlich. Mit zunehmender praktischer Berufserfahrung steigt das Gehalt automatisch auf bis zu 3.319 Euro monatlich an. Hinzu kommen eine Jahressonderzahlung, eine Leistungsorientierte Bezahlung und eine betriebliche Altersversorgung sowie 30 Tage Urlaub.

EW: Bekommen Sie direkte Rückmeldungen von betroffenen Eltern? Was sagen die Ihnen?
KN: Der Unmut der Eltern ist verständlicher Weise sehr groß. Um die zum Teil dramatischen Folgen für Eltern abzumildern, ist es uns gelungen, eine Notdienstvereinbarung mit den Gewerkschaften abzuschließen, die ab Freitag, 5. Juni, in den
Kitas angewendet werden kann: Wir werden auch weiterhin – leider – nicht alle Kinder betreuen können, aber die Notdienstvereinbarung gibt uns ab Freitag die Möglichkeit, zuverlässig für deutlich mehr Kinder als bisher ein Angebot machen zu können.
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