Mairisch Verlag aus Eimsbüttel erhält Verlegerpreis

usik und Graphic Novels: Daniel Beskos (l.) und Peter Reichenbach bringen junge Literatur in ungewöhnlichen Formaten heraus.

Zwei Enthusiasten bringen junge Literatur heraus – ein Interview mit Daniel Beskos und Peter Reichenbach

In einem Ladenbüro im Erdgeschoss der Schwenckestraße 68 ist einer der ungewöhnlichsten Verlage Deutschlands zuhause. Daniel Beskos und Peter Reichenbach setzen mit dem Mairisch Verlag seit 15 Jahren Akzente. Ein Interview.

Elbe Wochenblatt: Woran arbeiten Sie gerade?
Daniel Beskos: An unserer 50. Veröffentlichung! Im September wird ein Hörbuch auf Schallplatte erscheinen – auf der A-Seite ein Text von Benjamin Maack, auf der B-Seite fünf Coverlieder.
Peter Reichenbach: Und wir warten auf die Druck-Exemplare des Spring-Magazins, den Jahresband einer Gruppe von Zeichnerinnen.

EW: Klingt nach einem Nischenprogramm, ist das der Weg zum Erfolg heute?
Beskos: In einer Nische sind wir an sich nicht. Wir konzentrieren uns auf junge Gegenwartsliteratur, brechen aber die klassischen Formen auf. Wir kombinieren gern Buch und Musik, Graphic Novel und Prosa. Es gibt Lese- und Konzert-reihen. Als kleiner Verlag bieten wir die Möglichkeit, mit der Literatur rauszugehen und etwas zu zeigen. Wer nur sein Buch fürs stille Kämmerlein schreibt, ist bei uns nicht richtig.
Reichenbach: Unser Bestseller ist zum Beispiel die „Philosophie des Radfahrens“, das hat sich bisher etwa 15.000 mal verkauft. Dafür leisten wir uns auch Sachen, die wir außergewöhnlich finden, die aber wohl kein Verkaufserfolg werden.

EW: Finn-Ole Heinrichs Buch „Räuberhände“ war 2013 sogar Prüfungsthema beim Hamburger Abitur ...
Beskos: Ja, das war Wahnsinn. Da haben wir dutzende Veranstaltungen organisiert, einmal mit 1.000 Schülern im Thalia-Theater. Erstaunlich, wie intensiv die Diskussionen dazu waren. Auch der Autor hat eine Menge Reaktionen bekommen – von Begeisterung bis hin zu Beschimpfungen.

EW: Was macht ein gutes Buch aus?

Beskos: Dafür gibt es keine allgemeinen Kriterien, das ist immer Geschmackssache. Wir bringen das heraus, was uns gefällt.
Reichenbach: Wir verallgemeinern so natürlich unseren Geschmack – das ist die Haltung dahinter. Und wir machen lieber wenige Bücher, dafür aber richtig gute.

Gegründet in Hessen


Peter Reichenbach und Daniel Beskos stammen aus Südhessen und haben dort bereits als Schüler Lesungen in örtlichen Kulturzentren veranstaltet. 1999 gründeten sie den Verlag Mairisch – das ist hessisch und heißt Unkraut. „Wir hatten keine kaufmännische Ausbildung, haben uns vieles selbst beigebracht“, erzählt Beskos. Heute beschäftigt Mairisch vier Mitarbeiter in Berlin und Hamburg.
Am Mittwoch, 15. Juli, erhalten Daniel Beskos und Peter Reichenbach im Warburg-Haus den Karl-Heinz Zillmer-Verlegerpreis. Die Auszeichnung ist mit 10.000 Euro dotiert.
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